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„Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Denn da hätte sich dieser mit der Lehre über Kugeln, Würfel, Oberflächen, Flächen ganz allgemein und den vieldimensionalen Raum im Speziellen befassen müssen.“

„Das tut ein Kunstmaler auch.“

„Sicher, dieser arbeitet dieses Wissen mit dem Pinsel auf. Die Mathematik aber erfasst Lehre mit Zahlen und Formeln. Diese Lehre ist derart unermesslich, dass sich ein unerfahrener Mathematiker darin verliert.“

„Der Maler schafft Übersicht.“

„Sie widersprechen mir ja ständig. Aber, Sie müssen schon sehen, die Welt der Zahlen ist nun einmal eine andere als die der Farben. Das Reich der Zahlen ist derart gross, dass der Mathematiker auf Begriffe wie infinitesimal und homöomorph ausweichen muss. Ich hoffe, dass ich die Begriffe richtig ausgesprochen haben. Sie umschreiben jedenfalls ganz genau, was sie zu erfassen haben. Um sie zu verstehen, muss man gewissenhaft forschen und die Übersicht bewahren.“

„Jetzt weichen Sie aber ganz gewaltig aus. So etwas versteht unsereins nicht mehr. Perelman war auf der menschlichen Ebene konsequent.“

„Wie das? Er war doch Mathematiker.“

„Er war konsequent in dem, was er ausrechnete. Er war aber noch konsequenter in dem, was er darüber denkt, was Gerechtigkeit ist. Nicht Gerechtigkeit gegenüber Zahlen, wie ein Buchhalter. Aber gegenüber Menschen, gegenüber dem eigenen Selbst, dem eigenen Denken. Dieser Gerechtigkeitssinn ist eine Mangelware, weil es an ihr hüben und drüben fehlt. Sie sucht trotzdem die ganze Welt heim und reisst und hinterlässt tiefe Wunden in der Gesellschaft. Besonders tief dringen die Wunden dort ins gesellschaftliche Zusammensein, wo das Gewissen der Menschen ausgelöscht ist. Die Politiker führen – nein, nicht das Skalpell! Dieses würde saubere Schnitte ziehen. Sie führen rostige Messer, welche der Menschheit böse Wunden zufügen, die nur schwer heilen. Dieser Mathematiker setzt der Verrohung der Gerechtigkeit, musikalisch gesprochen, einen Kontrapunkt entgegen und somit einen erstaunlichen Gerechtigkeitssinn.“

„Das ist verständlich. Er liebt Zahlen. Zahlen sind präzise Einheiten, die sich nicht biegen und brechen lassen.“

„Zahlen lassen sich brechen im Bruch. Ich bin kein Mathematiker. Ich bewundere Grigori Perelman in dem, wie er handelt. Er hat ganz klar dargelegt, dass der Ruhm, der ihm zukommt, und somit auch die Million, die seine Berühmtheit begründet, fälschlicherweise ihm allein zugeschlagen wurden. Nur will das niemand hören. Helden wollen wir. Reiche Millionäre, die alles Geld selber einstreichen. Perelman will die Gerechtigkeit.“

„Er ist es, der das Rätsel gelöst hat.“

Fortsetzung

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