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Kurt Schuster sass selber mit grosser Anspannung auf seinem Stuhl und runzelte die Stirn, bis er schliesslich mit leiser Stimme bemerkte: „Dass sich der Mensch umformen lässt, das ist phantastisch. Dass ein Mensch nach allen Regeln der Kunst sich umformen lässt, sofern er nicht tot ist und auch nicht über ein Loch im Leib verfügt – und das erst noch physisch. Das ist höchst interessant und bemerkenswert.“

„Als mehrdimensionaler Körper, der denkt, umformen. Jener, der dies mathematisch bewiesen hat, ist auf langer Strecke der Einzige, der konsequent seinem Denken folgt und sich kein Loch gibt, vielmehr keine Blösse, kein ethische Blösse, der also konsequent handelt. Der Mensch ist ein von seinem Leben durchlöchertes Wesen. Ständig wird er bombardiert, angegriffen und zwar so sehr, dass schon viele Menschen recht frühzeitig in einen Friedhof geraten und das, obwohl sie noch leben. Und trotz der Löcher lassen sie sich umformen, die Menschen. Ich glaube, der Mensch lässt sich nach Belieben umformen. Niemand ist recht froh damit. Die Antwort auf diesen enttäuschenden Befund ist eines der ungelösten Probleme der Menschheit und darum begegnen sich vermutlich so viele Menschen mit Verachtung und wenig Respekt.“

„Meinetwegen“, warf Kurt Schuster ein, „aber Ihre letzte Aussage entspricht naturwissenschaftlich betrachtet keiner Erkenntnis von besonderem Interesse. Ihre Auslegungen betrafen das humanwissenschaftliche Feld. Uns interessieren Fakten.“

„Oh, ich bin Künstler.“

Das sich langsam verfilzende Gespräch der beiden Herren nahm aufgrund seiner Länge eher die Gestalt eines schlecht vorbereiteten, verbratenen und verkochten Fünf-Gang-Menüs an, denn eines leichtfüssigen Gedankenaustausches auf Barhockern umgeben von leichter Kost wie Salzgebäck und prickelndem Getränk. Ungeniessbar das Menü, das die beiden Herren verbal anboten: Sie hielten sich kulinarisch an ihr Angebot und verzichteten auf ein üppiges Mahl, beschränkten sich auf die Essensausgabe, welche der Umgebung entsprach, um über die Runden zu kommen. Die paar Körner, welche die beiden schwatzhaften Gestalten in Form von gesalzenen Stängeln oder Erdnüssen aus einer Schale heraus pickten, genügten den Ansprüchen des Gaumens vollends.

Fortsetzung

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