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pz Peitsche

„Es handelt sich zuweilen um etwas ausgefallene Kompositionen. Aber sie munden und gefallen den Leuten. Wenn auch nicht allen. Der Geschmack wechselt. Was heute verpönt ist, gefällt morgen.“

„Das denke ich auch. Der Geschmack der Menschen nimmt zuweilen spezielle Formen an.“

„Ich gebe aber zu, dass ich mich eher dem regelmässigen Streichen von Takten zuwende und nicht nach dem Zufallsprinzip in den Musikstücken herum turne. Ein Jäger darf nicht seiner Laune folgen, sondern muss konsequent handeln. Damit habe ich Erfolg. In dieser Genauigkeit, dem klaren Erhalt einer Ordnung, liegt die Zukunft auch der Musik. Die Leute wirken seltsam bewegt, wenn sie über meine Bearbeitung auf das ihnen wohlvertraute Stück stossen, etwa auf Moby Dick oder die Mondscheinsonate, in der nach meiner Intervention alle tragenden Melodien amputiert oder gänzlich verschwunden sind.“

„Sie streichen also auch in Improvisationen?“

„Wo es nur geht. Die Leute staunen nur so darüber, was man alles streichen kann.“

„Das kann ich mir durchaus vorstellen.“

„Auf das erste Hinhören hin wirkt es befremdend, wenn ein Stück derartig veredelt an das Ohr gelangt. Auf das zweite hin werden die Leute neugierig. Die durch meinen präzisen Eingriff angeworfene Entwicklung, die schöpferische Umsetzung eines taktisch gekürzten Stücks durch ein Orchester ist eine Fundgrube für neue Inspirationen. Diese neuen Kompositionen überlasse ich aber den kommenden Generationen. Man darf nie überheblich werden und muss seine Grenzen kennen und einhalten.“

„Wo kann ich ein solches Stück anhören?“

„Ich werde in meiner Agenda nachsehen. Aber dort steht es nicht, denn ich bin nur für das Komponieren zuständig. Um das Aufführen kümmern sich andere.“

„Ich sehe: Sie denken an alles, auch an Arbeitsteilung. Das gehört zu den Aufgaben des modernen Managers.“

„Wer vorwärts kommen will, denkt praktisch und teilt die Arbeit. Warum neue Melodien erfinden, wenn sich an den bereits bestens bekannten arbeiten lässt!“

„War das eine Frage?“

„Eine Feststellung.“

„Diese Weisheit muss ich mir merken. Ihre Komposierungskunst ist gut durchdacht. Sie ist streng wissenschaftlich erarbeitet. In den exakten Wissenschaften liegen auch meine Stärken. Darum kann ich mir erlauben, ihre beiden Komposierungsmethoden zu bewerten. Die erst erscheint mir vollendeter. In der zweiten schwingt mit dem Pianissimo und dem Maximissmo bereits zu viel Kunst mit. Bei der Lautstärke in der Musik spielt bereits der Zufall hinein und damit die Inspiration. Man müsste genau definieren und mit Messinstrumenten festhalten, was laut bedeutet. Soll man diese Stelle lauter oder weniger laut spielen, die Sie haben stehen lassen? Das ist eine Interpretationsfrage. Solches kann zu Gewissensentscheiden führen und falsch interpretiert, das Werk völlig zerstören, ich meine: das vollendete Kunstwerk ganz einfach zerstören.“

Fortsetzung

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