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„Komponieren ist, wenn nicht eine anstrengende, so doch eine strenge Arbeit, besonders sobald es um Musik geht. Ein Ton, der nicht gut gesetzt ist, wird zu einem Misston. Der schmerzt.“

„Ich verstehe. Beim Komponieren müssen extrem viele Noten notiert werden. Die Partituren sind voll von ihnen. Und jede Note muss mit einem Wimpel versehen werden. Alles hat seine Bedeutung auf dem Notenblatt.“

„Das ist in der Tat so.“

„Wo liegt Ihre Stärke?“

„Ich schöpfe aus bereits bestehenden Werken.“

„Wie gehen Sie vor?“

„Ich streiche.“

„Bei den Streichern. Eine durchaus höchst interessante Gruppe innerhalb eines Orchesters. Sie streichen also auch?“

„Ich spiele kein Musikinstrument.“

„Ach so, ich verstehe: Sie streichen. Aber nicht mit dem Pinsel. Sie komponieren“

„Wie ich schon sagte: Ja.“

„Streichen Sie systematisch? Ich bin nämlich ein Systematiker. Wir beide würden uns in diesem System treffen, wenn Sie in diesem atischen würden.“

„Was würde ich?“

„Atischen. Das ist eine meiner Wortschöpfung. Mein Vorgesetzter, Wilhelm Schnepfensskorn, der Dicke, hält oft nicht viel auf mich. Er kann mit solchen Konstrukten rein gar nichts anfangen. Er findet, diese gehören nicht in die Sprache. Ich aber bin der Auffassung: Sie bereichern die Sprache.“

„Was ist das: Atisch?“

„Es liegt auf der Hand. Dem System das Atische angefügt macht den Systematiker.“

„Systematiker.“

„Beim Streichen wird es auch so sein. Wird dem Streich das Atische angefügt, so ergibt sich daraus der Streichatiker. Vielleicht beschreibt dieses Wort aufs Treffendste ihre Komponierarbeit.“

„Nun, über alles Atische hinweg gesehen: Als Komponist streiche ich. Und um auf Ihre Frage zu zurück zu kommen: Ich bearbeite durch Streichen bestehende Musik.“

„Transkriptionen quasi.“

„Nein. Ich transkribiere nichts und transkratische auch nicht. Ich bearbeite Musik. Und zwar nicht auf dem erbärmlichen Niveau von DJs, welche ihre Platten vorwärts und rückwärts laufen lassen, so dass die Melodien total verkehrt herum tönen und das zum Gaudi von Banausen, die von Musik überhaupt nichts verstehen, sondern nur Lärm hören wollen, weil diese Personen keine Künstler sind.“

„DJs. Was meinen Sie damit?“

„Disc-Jockey. Die sitzen wie ihre Namensgeber, welche Pferde reiten, auf ihren Musikscheiben und drehen die Stücke nach allen Seiten, so dass die Musik völlig verschnitten und fetzenweise um die Ohren der armen geplagten Discobesucher fliegt.“

„Ich sehe: Musik für das Pferd.“

„Ich dagegen zähle mich auch nicht zu den Komponisten, die hier etwas nehmen, dort etwas nehmen und damit etwas Neues zusammensetzen, von dem man dann nicht weiss, ob es melodisch dies oder jenes ist, von dem es kopiert wurde. Cover-Version nennt sich solches. Ist also auch nicht mein Fach.“

Fortsetzung

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