sch-ach-pu-freier

pu freier

 

Sie standen unschlüssig an der Strassenecke und überlegten, wie sie das Gespräch beenden sollten, in welches sie ganz unverhofft geraten waren und an welchem beide sichtlich Wohlgefallen fanden.

Die scharfe Kante der Ecke trennte die Wege wie ein Fleischermesser die Koteletten von den Rippen. Wenn man bei einem Gespräch so nahe zueinander findet, wie das im Fall der beiden Herren soeben geschehen, dann entspricht dies einer Lunge, die atmet und einen ganzen Organismus in flotten Schwung hält, in dem Fall einer ätherischen Glasglocke, die sich in der kurzen Zeit des Gesprächs zwischen den Beiden aufgebaut hatte. Das Eckgespräch setzte dem etwas flüchtigen Gebilde nun das Messer an die fragile Hülle.

Denn das Eckgespräch bildet im Grunde genommen das Ende einer Unterredung, welche spazierend auf einer Strasse geführt wird. Mit der Ecke kommt das Ende. Der geographische Fixpunkt gibt das klare Signal für das unvermeidliche Auseinandergehen. Aber da wirkt dann noch etwas mit, das mit dem klaren Verstand nicht erfasst wird. Eckgespräche finden im Allgemeinen im Freien statt. Und zu einem Eckgespräch kommt es aus verschiedenen Gründen. Zum einen kann es natürlich sein, dass das bisherige Gespräch von solch einer intellektuellen Tiefe gezeichnet war und eingeworfene Argumente noch nicht ausdiskutiert sind, so dass sich das Eckgespräch als ein längeres Verweilen an der Ecke rechtfertigt.

Zum anderen kann es aber auch sein, dass weniger das explizit Gesagte im Hintergrund über dem lustvoll geführten Gespräch schwebt, sondern da etwas tiefer geht als ein Ton, der über das allseits offene Gehör in den wachsamen, interessierten Geist dringt, um jene grauen Zellen zu kitzeln, welche nicht nur an scharfkantiger Denkweise ausserordentliches Wohlgefallen finden. Man weiss, dass noch irgendetwas gesagt werden muss, was sprichwörtlich in der Luft liegt, aber was, weiss man nicht so recht. Klare Worte sind in dem Fall nicht so wichtig. Auf den treffenden Ton kommt es an.

Fortsetzung

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