sch-ach-po-Todesverachtung

po Todesverachtung

Die Wissenschaft hetzt immer einen Schritt hinter der nie müden Jagd her, wenn sie durch das Leben jagt und sich nicht gerade ausruht, um dann nach dem anregenden Schlaf mit frischer Kraft von Neuem weiter zu stürmen.

Manchmal geht der nimmersatten Jagd die Kraft aus. Dann ist die Schwester Wissenschaft wieder gefragt. Sie hat mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, Salben, Pillen, Spritzen und Pflastern dafür zu sorgen, dass die matt daniederliegende, erkrankte Jagd wieder munter wird. Sie, die unfreie Wissenschaft, die immer einen deutlichen Schritt hinter der Jagd aufwartet.

Geschwächt durch einen müden Zustand, den der wohltuende Balsam des tiefen Schlafs nicht aushebeln kann, also krank, mutiert die niedergestreckte Jagd zur drängenden Auftraggeberin der auf einmal zögernden Wissenschaft. Denn solange die solcherart geadelte Wissenschaft um eine kurze Länge der auf schnelle Besserung harrenden Jagd voraus eilt, sind die deutlichen Forderungen der gefragten Wissenschaftler voraus gerichtet und mit klaren Bedingungen wie Verantwortung, Nachhaltigkeit und Menschenrechten verknüpft.

Einmal geheilt, stiebt der frisch gestärkte Jäger freilich mit kurzem Gedächtnis davon und überlässt, was von seiner wiederum erfolgreichen Jagd übrig bleibt, jenen, die ihn vertrauensvoll auf beide Beine stellten und ihm, ernüchtert, einmal mehr vorwurfsvoll und gleichzeitig enttäuscht nachsehen. Die schlechten Beutereste müssen jenen genügen, welche die wilde Jagd nicht aufzuhalten wissen, der sie aber willentlich zudienen. Befindet sich jedoch das ungleiche Paar Jagd und Wissenschaft ganz überraschend wieder einmal auf Augenhöhe, werden die gesalzenen Rechnungen für die einstmals gestellten, präzisen Forderungen präsentiert – nach dem bewährten Muster des unsteten Zusammengehens der beiden Kontrahenten aber meist vergebens.

Die gefügige Wissenschaft hat dafür zu sorgen, dass die dauernd immer gleich heisshungrige Jagd bis ins hohe Alter erfolgreich weiter geht, diese selbstherrlich den Ton angeben kann und gegebenenfalls unkeusch viagraiert und dass, wer jung strauchelt, eiligst wieder aufsteht und weiter jagt.

Jagd und Wissenschaft kommen nicht darum herum, sich Kuss für Kuss und eng umschlungen auf dem Weg des Fortschritts und des Erfolgs befruchtend vorwärts zu bewegen, Aug in Aug, von Flirt zu Flirt, der Zeit, welche frisch und fröhlich voraus eilt, devot nachzurennen, der Zeit, welche im Gegensatz zu allem, was ihr folgt, kein Ende kennt.

Das stets gefährdete Leben, bedroht von den verschiedensten Formen des Verrats, Misstrauens, Scheiterns und Schicksals, gehabt sich als unermüdlicher Kampf. Nur die Kräftigsten kommen voran oder der gewaltige Verband der zahllosen Schwachen, der als geballter Verbund dafür sorgt, dass auch er regelmässig auf seine Rechnung kommt und immer wieder sein stilles Vergnügen findet.

Fortsetzung

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sch_ach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s