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pm Banerjee

 

Kunst, Geld und Jagd hatten sich für den Moment verflüchtigt. Deutlich. Die beiden Herren wichen in ihrem ellenlangen Gespräch vom ursprünglichen Thema ab, ohne sich jedoch vom anfänglichen vollständig zu verabschieden, fanden nach einer kurzen Kunstpause, auf der belebten Strasse langsam vorwärts schreitend, schliesslich zu ihrem eigentlichen Gesprächsstoff zurück und benannten den zweiten „willfährigen und starken Begleiter der rücksichtslosen Jagd“: Die Wissenschaft. Sie hält die hemmungslose Jagd auf ihrer rasanten Fahrt am Leben. Doping nennt sich etwa das, was die unaufdringliche Wissenschaft, deren fleissige Ameisenarbeiter kaum je an die Öffentlichkeit treten, ganz diskret bereit stellt, damit die lieblose Jagd hartherzig besser gelingt, wobei der gedopte Jäger sich irgendwann einmal das eigene Herz heraus reisst, weil auch ihm, und nicht nur der mitgenommenen, abgekämpften Beute, der Schnauf ausgeht.

Auf der Jagd, flink und behände ausgetragen, geraten Geld und Wissenschaft sehr schnell völlig durcheinander, so dass nicht mehr unterschieden werden kann, in welchem Dienst die eigentlich autonom waltende Wissenschaft steht: in jenem des menschlichen Lebens, in jenem des lüsternen Geldes, in jenem der uneinsichtigen, grausamen Jagd?

Wenn die Begriffe Geld, Leben und Jagd zusammen geführt werden, dann verwischen sich ihre Grenzen und gleichzeitig die eigenen Verantwortlichkeiten. Dann nimmt die stolze Wissenschaft mit einem Mal einen schwachen Stand ein.

Dennoch: Die unnahbare und eitle Wissenschaft sieht sich immer wieder heraus gefordert. Sie steigt manchmal ganz heimlich aus ihren vielen Verstecken, dort, wo Chemie, Magma und Geist hinter Mauern und geschlossenen Türen als eine verschworene Gemeinschaft brodeln, sei es in schmalen Phiolen, kleinen Töpfen, irdenen Tiegeln, grossen, gut verschlossenen Kesseln, in stark mit Spannung versetzten Magneten oder sinnierenden Hirnschalen. Die selbstherrliche Wissenschaft blickt der verschlagenen Jagd vornehm und gleichzeitig kühn in die heimtückischen Augen, wenn beide miteinander für einmal auf Augenhöhe stehen, wie der scheue Hase in jene des passenden Luchses, wie die kecke Frau in jene des zögernden Mannes, den sie für ihr munteres, zwischenmenschliches Spiel zur sinnlichen Beute ausersehen hat.

Doch allzu oft gibt die selbstbewusste Wissenschaft der beharrlich lockenden Jagd nach und legt sich ihr, eingeschüchtert und erdrückt durch die zum Teil masslosen Forderungen, demütig zu Füssen, dienstbar, sei es, um beim gewinnbringenden Sport, sei es, um beim blutigen Kriegshandwerk, sei es, um beim gewissenlosen Finanzwesen ihren moralisch zuweilen fragwürdigen Obolus einzustreichen.

Fortsetzung

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