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Der Mensch erschlaffte, rutschte vom Stuhl und ging endgültig zu Boden, lag schliesslich als dunkle Masse in der Grünen Lunge neben seinem Stuhl, ohne dass jemand den Fall verhinderte, der als logische Folge des Zusammenbruchs über dem Tisch alle doch relativ unerwartet traf.

Die Aufregung, welche im Lokal folgte, war gross. Weil sich das Krankenhaus nicht zu weit entfernt vom Ort des Geschehens befand, traf bald mit heulender Sirene ein Krankenwagen ein.

Die Krankenwagenbesatzung verrichtete mit eingeübter Präzision und in stiller Andacht ihre Arbeit. Die Präsenz der routinierten Sanitäter dämpfte die Nervosität im Raum nur wenig. Sorgenvoll blickte man in jene Ecke, wo die Männer in Krankenhausweiss einen Menschen auf die Bahre legten.

Es zeugte von einem Schuss Ironie, dass auf dem Tisch und zwar in jenem Teil, der von Blut nicht befleckt war, eine leere Zigarettenschachtel unversehrt lag.

Nachdem die Krankenwagenbesatzung mit ihrer Last das Lokal verlassen hatte, kam die Reinigungsmannschaft. Die drei zurückbleibenden Gäste der abrupt beendeten Tafelrunde sassen zur verbalen Bewältigung des Erlebten nun an einem Tisch mehr im Zentrum des Raumes und schauten leicht verwirrt dem Geschehen in der geistig nahen Ecke zu.

In der Aufregung und aus Entsetzen darüber, was sie gesehen und erlebt hatten, dachte keiner daran, mit dem Krankenwagen mitzufahren, denn der Körper, welche die Sanitäter mit sich führten, sah ganz danach aus, als nähmen diese eine Leiche mit. Der Bewusstlosen Daten waren der Krankenwagenbesatzung mitgegeben worden und man gelobte, allsogleich gemeinsam ins Spital nachzufolgen. Als direkte Kontaktperson hatte man eine Schwester angegeben.

Es war, als sei ein Soldat im Krieg gefallen und als habe ihm ein Kamerad die Erkennungsmarke über der Brust abgebrochen, um den abgebrochenen Identitäts-Teil der zuständigen Behörde zu übergeben, damit diese alles Notwendige unternahm, um den Fall den Angehörigen mitzuteilen.

Eigentlich hätte es angestanden, dass die Frau – er herrschte nicht Krieg? – im Krankenwagen begleitet worden wäre. Zum Zeitpunkt, in welchem sie erwachte, sofern sie nach der Verabreichung der für die Behandlung notwendigen Medikamente noch erwachte, hätte die Präsenz eines bekannten Gesichts möglicherweise ihr psychisches Befinden gehoben. Die Wagenbesatzung hatte auf Eile gedrängt. Der Wagen entfernte sich jetzt mit grossem Geheul und die Todkranke – so etwas sagt man nicht! Aber sie ist todkrank. Gleichwohl sagt man so etwas nicht, denn es besteht noch immer die Hoffnung, dass sie sich erholt. Nur im Schach lassen sich die Figuren wieder aufrichten, quasi wie eine Auferstehung; ja, wenn man so will. Noch ist sie nicht tot. Man werde sie besuchen gehen. Man werde jetzt hinüber gehen, trotz des Regens, und nach den Dingen sehen. Man werde ihr beistehen, wenn erwünscht, denn man kenne ja ihren launischen Charakter. Ihr Anblick werde aber schon sehr speziell sein, sie, angeschlossen und eingebettet in dieses medizinische Wunderwerk der Schläuche, dieses „Hoppelpoppel“ an Chemie und gut gemeinter, vielleicht sogar effektiver Hilfe, dieses Monster an durchdachter, organisierter Technik, welche der Weggeführten das Überleben ermöglichen sollte. Sie werde sich erholen. So schlimm könne es nicht sein. Man habe ja noch eine volle Schachtel mit Zigaretten gefunden. Glyzinie würde es jedoch sicher nicht schaden, wenn sie für einige Zeit an die Koppel der Medizin angebunden bleibe. Ihr würde es nicht zuletzt wieder auf die Beine helfen. Er solle nicht so reden. Die Frau sei eben erst weggetragen worden. Er könne diesem Umstand Rechnung tragen und die Frau respektieren, auch wenn er oft in einer spitzen Art und Weise zu ihr gestanden sei, also stehe. Er solle aufhören zu lästern; immerhin sei sie schwer krank. Er lästere nicht.

Fortsetzung

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