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Drinnen im Raum herrschte wegen dem Draussen ziemliche Dunkelheit. Nur weniger Lichter erleuchten das Geschoss. Ein Cheminee warf flackernd seinen Schein über die Tische. Das Feuer verbreitete eine angenehme Wärme. Doch diese reichte nicht bis an den Tisch. Die Gruppe sass, als ob sie etwas zu verstecken hätte, ein wenig im Abseits. Zurückgezogen in einer nischenartigen Aussparung, die doch etwas von einer Höhle an sich hatte, auch wenn sie nicht das Gefühl vermittelte, man sässe nasskalt in ihr. Was finster draussen vorbei zog, warf kräftig flackernde Schatten, die von schreiend hellem Wetterleuchten gerahmt waren, über die Wände des Raums. Man blickte mit Sorge hinaus und erdreistete sich nicht zu kernigen Sprüchen, welche dem Sturm mit Spass Paroli bieten sollten. Das Wetterleuchten und die einschlagenden Blitze bannten eine stumme Aufmerksamkeit auch sich. Allenthalben erschütterte ein Donner die Mauern und übertönte jeden Huster.

Was da drinnen vor sich geht, von dem hat keiner eine Ahnung. Wir sitzen in diesem Restaurant, und keine Wärme will in meine Seele hinauf steigen. Draussen, jenseits der Türen, Fenster und Mauern, tobt der Sturm. Da drinnen, in dem Restaurant, welches an Schwärze meinem Innern gleichkommt, herrscht geistergleich eine trügerische Ruhe, eine Ruhe, als hätten die Schachregeln ihre beruhige Wirkung ordnend über den Raum gelegt. Im Spiel besteht eine ungeheure Spannung, welche mir die Lunge zerreisst. Die Schachregeln ziehen und zerren mich nach allen Seiten. Die Fäden des Gehorsams sind wie Nadelspitzen. Um unsere Körper, abgeschirmt vom Aussen, vom Unwetter, durch Fenster, Türen und Wände, herrscht Stubenruhe. Man weiss aber nicht, was in den Leibern abgeht. Was im eigenen Körper abgeht, weiss der einzelne Mensch nicht. Er spürt ihn lediglich, wenn er schmerzt. Der Körper verbraucht sich. Auf einmal zerbersten Kanäle. Der letzte Zug aus der geborgenen Zigarette. Manchmal herrscht recht viel Betrieb im eigenen Körper, gesellschaftspolitisch gesprochen, in einem grösseren Zusammenhang. Der Mensch sieht immer grössere Zusammenhänge. Er denkt politisch, er wühlt die Gesellschaft auf. Der übermässige Betrieb kann auf ein Schachbrett übergreifen, kann zum Kollaps führen. Das Ende ruft nach Öffentlichkeit.

Der Körper erbrach sich über den Tisch. Die Lunge zerbarst und warf ihr Blut, das nicht mehr jene Reinheit besass, um Sauerstoff zu transportieren oder die freien Radikalen in einem gesunden Gleichgewicht zu halten, aus der Brust hinaus. Das Blut spritzte weiter, als die Tischplatte reichte und stürzte dort zu Boden. Der Körper sackte zusammen. Die Übrigen am Tisch und andere im Lokal sprangen entsetzt auf.

Das Schachbrett öffnete sich. Die Blutlache weitete sich aus. Jener, der die letzte Zigarette gegeben hatte, schaute erstaunt auf und sagte sich: Was ich geborgt habe, wird sie mir ewig schuldig bleiben. Schicksal eines Rauchers.

Fortsetzung

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