sch-ach-oz-unermessliches

oz unermessliches

 

Warum den Teufel an die Wand malen, wenn der Himmel schwarz wird und undurchdringlich wie das Schachspiel? Variationsreich wie das Schachspiel ist das Wolkenspiel, das sich über uns zusammenfügt und im nächsten Moment wieder auseinander reisst. Der Reiz des Spielens spiegelt sich über uns im entschlossenen Zusammenspiel der Wolkenmassen, die für sich selber arbeiten und gleichzeitig gegen sich. Einige wenige Tropfen platschten auf die Terrasse. Die plötzliche Regenankündigung setze sogleich wieder aus und liess lediglich einen kräftigen Windstoss folgen. Der grosse Vorteil des Spiels gegenüber dem Leben besteht darin, dass man jederzeit, sofern man so klug ist, die Regeln ändern kann. Das Denken jedoch setzt dort, in jenem fernen Gebäude hinter den Weiden, zwischen den Wäldern, aus. Dort ist man nur noch Opfer. Ausgeliefert einem Gewirr von Personal, Tabletten und Schläuchen. Ausgeliefert einem ungeheuer grossen Wissen, dem man vertrauen kann oder nicht, weil man nichts davon versteht. Ausgeliefert riesengrossen Irrtümern, falschen Behandlungen, den Launen des Personals, fadenscheinigen Erläuterungen und schwachem Trost. Das Schachspiel bildet keinen Vergleich zu dem, was in so einem Spital abgeht. Das Schachspiel löst sich auf, die Schmerzen nicht. Unerbittlich sind die Gesetze, knallhart die Entscheide. Erbarmungslos die Folgen und ausweglos, was aus alledem resultiert. Da lob ich mir meine Zigarette. Vor meinen Augen entwickelt sie ein klares Licht, wenn ich an ihr ziehe. Und in all dem Dunkel, das in grossen Schritten auf mich zukommt, bleibt sie eine Leuchte. Die Zigarette deutet voraus. Ich ziehe nach. Die Lunge füllt sich, und solange ich atme, erstrahlt die Zigarette als mein Licht.

Am Tisch wurde nun darüber gesprochen, dass es wirklich an der Zeit sei, direkte Konsequenzen aus dem zu ziehen, was die Natur auf der Terrasse an Wirbel vorbereitete. Das Wetter in der Umgebung mutete immer unerträglicher an. Die Runde gab dem Drängen der Natur nach und begab sich in das Innere der Grünen Lunge.

Wenn man drinnen ist, wird man von den Menschen raus geworfen. Wenn man draussen ist, wird man von der Natur rein geworfen.

Aus dir beginnt die Häme zu reden.

Die Mauern des Etablissement erwiesen sich wie eine Haut, welche einen Körper vor den Launen der Natur schützt, so dass dieser gut funktioniert und einem Menschen ein Leben lang dienen kann. Die Aussenhaut eines Hauses entspricht der Haut eines Menschen oder eines Tieres. Sie muss durchlässig sein, sodass das Gebäude atmen kann und das Innere zu Luft kommt, aber gleichzeitig auch so dicht, dass das Haus so zu funktionieren vermag, dass zu leben in ihm möglich bleibt. Wenn es zu dicht abgeschlossen ist, geht ihm der Schnauf aus und Schimmel und Moder setzen zu allererst in Ecken und Kanten an. Der Bau vernichtet aus sich selber heraus das, wozu er eigentlich aufgestellt wurde, nämlich dem Menschen als Bleibe zu dienen.

Du sprichst in etwas scharfen Worten.

Wenn draussen ein Sturm tobt, ist der Mensch froh, dass ihn die künstlich errichtete Haut vor jenen Gewalten schützt und davor bewahrt, dass eine unbändige Natur ihm Hagel und Bäume um die Ohren schlägt, ihm die Kälte über die Ohren zieht, sodass er Niesen muss, zuerst, dann der Husten folgt, der an den Lungen reisst und das Herz in einen atemraubenden Rhythmus hinauf jagt.

Fortsetzung

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