sch-ach-or-Gueter

or Güter

 

Eigentlich hatte es geheissen, als man sich besprach, wo man sich denn treffen wolle, dass sich auf dieser Terrasse ein wunderschöner Tisch mit eingelegtem Schachbrett befinde. Aber man werde sich in keiner Weise dieses Tisches bemächtigen, wolle man sich hin begeben, sondern sich an einen anderen setzen, um nicht irgendwie die Erinnerung an den Alltag zu bemühen, wenn der Blick zufällig auf die Tischplatte mit den eingelegten Quadraten fiel. An das Krankenhaus dachte niemand. Man wollte ganz einfach aufs Land hinaus, in die gesunde Natur, wo die Luft wald- und wiesengereinigt zügig in die Lungen fliesst.

Der Ort entsprach in allen Belangen einer Idylle. Der Hintergrund, weit weg, in der Ferne, auszumachen, wenn man wollte, lediglich als ein architektonisches Gebilde, also als ein Kunststudienobjekt, störte nicht. Der Helikopter entfernte sich und verblasste schliesslich als Punkt am Horizont. Kein falscher Ton lag in der naturgetränkten Luft.

Das Gebäude in der Ferne, von dem man wusste, worum es sich handelte, aber keine Beachtung schenkte, verschmolz in der anmutigen Umgebung zu einem idyllischen Gemälde, das von allem Ungemach des Lebens ablenkte, sogar, wie gut gelungene Ferien, alles Elend vergessen liess. In dieser Umgebung tat es gut, an einem derart schönen Tag an solchem Ort als zwei Paare zusammen zu kommen; zwei Paare, die unterschiedlicher nicht sein konnten: das eine am Beginn des gemeinsamen Lebens, das andere aufgrund des akut drohenden Todes kurz vor der endgültigen physischen Trennung.

An dem Tag kroch die Natur, die das Lokal als grünes Allerlei erfrischend umschloss, eine angenehme Wärme verbreitend, über die Terrasse in die Runde, welche sich den Tisch teilte. Wenn nicht ab und zu, in beängstigender, regelmässiger Reihenfolge der Huster gewesen wäre, dann hätte sich die Runde als eine Gemeinschaft lebensstrotzender Teenager gewähnt, von denen jedes eine glimmende Zigarette im Mundwinkel hält und hie und da, wenn der Mut danach steht, lustige Rauchringe lustvoll in die Luft bläst.

Leben und Erinnerung geben sich aber in jenem Moment die Hand, wenn die Zigarette langsam aus dem Mund fällt und dieser nur noch mit schwachen Bewegungen das Hinunterfallen des Glimmstängels im letzten Moment verhindert. Dem Leben war es jedoch eine Ohrfeige ins Gesicht, sich unweit eines Schachbrettes, das der Regel „Ordnung oblige“ folgte, und in Sichtweite eines Spitals, dessen Umgebung den üppigen Wachstum und die absolute Gesundheit imitierte, hin zu setzen und so zu tun, als hätte man vergessen, was das Leben mit einem selbst angestellt hat. Ein weiteres Mal erkennt man, nach einem erneutem Schmerz in der Lunge, dass man schon wieder zu einer bitteren Unterwerfung unter die eigene Krankheit genötigt wird, Zug für Zug, aus der Zigarette.

Fortsetzung

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