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op feist

 

„Praktisch.“

„Sie müssen theologisch denken. Bei denen geht es immer weiter, über tausend Himmel hinweg. Nirgends ist das imaginäre Gebäude so gross wie in der Theologie. Diese entwickelt wunderbare Theorien. Bei dieser müssen Sie einklinken, Herr Schuster. Sie wird Ihre abstrakten Gedankengänge zu würdigen wissen. Ich weiss, der Mensch braucht dieses ganze Brimborium. Ich will da niemandem den Mund verbieten, Ihnen schon gar nicht. Sie haben eine grosse Zeit vor sich, Herr Schuster.“

„Wir denken praktisch. Der Kampf zwischen DNA und freien Radikalen wird bis zum letzten Augenblick ausgefochten. Zerstörung und Aufbau im Körper – die freien Radikalen schiessen in alle Richtungen, die DNA zieht den Kürzeren. Darum ist es wichtig und richtig, dass sie sich rechtzeitig weiter gibt. Der einzelne Mensch ist ein winziges Element in einem riesigen molekularen Kommunikationssystem.“

„Herr, Schuster, das muss ich Ihnen lassen, Sie schauen sehr weit vorwärts und beobachten genau und schauen präzis hin. Ja, manchmal muss man, indem man eine Pizza mehr isst, als zuzugestehen ist, oder indem man einen Wagen in eine Wand fährt, dazu beitragen, die Illusion zerstören, dass es ewiges Leben gibt. Auch die Sauberesser werden einmal den Hut nehmen müssen. Ein Auto ist am Ende seiner Laufbahn nur noch Rost, zerfressen vom Bombardement, dass die Elemente in seiner Materie veranstaltet haben. Wenn man zu dieser Erkenntnis gelangt, dann gibt es nur noch zwei Dinge, die getan werden können: eine weitere Pizza essen oder mit einem Wagen in die Wand fahren – was beides auf dasselbe herauskommt. Das Zuviel an Pizza und das zu Schrott gefahrene Auto, beides endet als Festfressen für die zerstörenden Leckermäuler der Materie, die fressen und fressen und zugleich auch sich selber den Gar ausmachen. Da haben es die Schachspieler einfacher: Sie stellen nach dem Spiel die Figuren einfach wieder auf.“

„Man müsste mit Ihrem Freund reden.“

„Das wird nicht gehen. Er ist der Welt verloren gegangen.“

„So?“

„Er tauscht DNA aus.“

„Wie bitte?“

„Er ist verliebt.“

Der Kellner brachte die bestellte Pizza.

***

Glyzinie SeEigel verabschiedet sich

Düstere Tage beginnen mit dem Licht am Morgen.

Auch wenn der Abend sich mit Gesprächen tief in die Nacht hinein zog und der Kopf noch schwer ist von den Gedanken, welchen diesen begleiteten.

Unendlich lang dauert die Zeit, bis ein Zug aus einer Zigarette gesogen ist, wenn die Lunge nicht mehr über die Kraft verfügt, um jenen Hohlraum in der Brust zu erzeugen, der den Rauch einsaugt.

Fortsetzung

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