sch-ach-on-macht

on macht

 

„Die Fliegen verhindern, dass die Unebenheiten im biologischen und chemischen Material des Menschen geebnet werden.“

„Treffend gesagt. Und wenn der Mensch sich in Kriegen und Morden umbringen will, ist das nicht eine Sache der Wissenschaft, sondern der Moral und der Politik, und geht uns nichts an.“

„Beruhigend ist es“, sagte Kurt Schuster, „dass wir an diesem Abend den Boden der Wirklichkeit nicht verlassen, aber gekehrt haben und jeden Staub, der nach ewigzeitlicher Transzendenz aussieht, in den Abfalleimer, befördert haben. Nur bei den Fliegen, die uns die Ewigkeit verderben, ist das nicht gelungen.“

„Herr Schuster, Sie haben wirklich die Absicht, mir mit diesen Fliegen meine nächste Pizza zu vergällen. Ich rate Ihnen: Lassen Sie die Finger weg von den Fliegen. Sie sollten sich eine weitere Pizza genehmigen. Diese würde Ihnen gut tun.“

„Realistisch muss nicht der Mensch denken, aber der Forscher. In jedem Körper, auch dem gesündesten, findet ständig ein Kampf statt, dem nur der Tod ein Ende bereitet“, dozierte Kurt Schuster unbekümmert weiter.

„Sie denken völlig defätistisch, Herr Schuster.“

„Realistisch. Ein Forscher darf sich nicht durch Träume und Vorstellungen irgendwelcher Geldgeber täuschen und sich selber in die Irre führen lassen, weder durch Forschungsziele wie das ewige Leben, welche Fantasten als spanische Schlösser in Luft setzen, noch von unerfüllbaren Ansprüchen von Patienten. Ein Forscher muss ungeblendet sich selber treu bleiben.“

„Tue ich etwas das Gegenteil. Sie haben so eine Art, mir all das zu unterschieben, was Ihnen eigen ist.“

„Sie haben einen Wagen in die Mauer gefahren?“

„Manchmal muss man, wie beispielsweise um dieses Kapitel zu beschliessen und damit auch unser Gespräch, damit ich mich endlich geistig auf meine nächste Pizza vorbereiten kann, mit der Faust auf den Tisch schlagen und sich wie ein freier Radikaler benehmen. Hinein stossen in ein Molekül und ihm ein Elektron entreissen und gucken, was damit geschieht. Da werden ungeheure Kräfte freigesetzt, die jenen beflügeln, der sie befreit. Hinein stossen“ – Wilhelm Schnepfensskorn schmetterte nicht seine Hand auf den Tisch, sondern hob sein Glas. – „in die Materie und ihr da und dort ein Wort entreissen, wie man das zuweilen mit der Sprache tun sollte, damit endlose Gespräche endlich zu einem Ende finden: Den Sätzen da und dort ein Wort heraus reissen, so dass diese auseinander brechen und das Gesprochene zu einem endlosen Gefasel wird. Dann hört niemand mehr hin. Man kann sich endlich seinen eigenen Gedanken widmen. Manchmal muss man in was hinein schlagen. Das wirkt bekanntlich befreiend.“

„Nicht: endloses Gefasel. Es gibt das Ende.“

„Sie kritisieren zu viel unnütze Dinge, Herr Schuster. Was ich da eben gesagt habe, tönt ganz in Ihrem Sinn und zwar: negativ gedacht. Ich werde mich in meiner Weise auszudrücken und sage darum: Sie denken zu philosophisch und damit zu weit abstrakt.“

Fortsetzung

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sch_ach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s