sch-ach-ok-treten

ok treten

 

„Die Pizza und der Kuss sind rein schon von ihrer Konsistenz her etwas vollkommen Verschiedenes. Der Kuss ist Leben, die Pizza ist ein Produkt, das aus beendetem Leben produziert wird, sich also im Endstadium eines Werdensprozesses befindet, während der Kuss genau das Gegenteil von dem ist.“

„Sie sprechen viel zu technisch, Herr Schuster. Das Küssen als technischer Vorgang!“

Der Dicke hustete vielsagend; ohne zu müssen; nicht ohne Absicht.

„Wenn ich Ihnen zu höre, kommt es mir vor, als würde ich die Pizza als eine Zusammensetzung von computergestützten Berechnungen der Bewegungen von Elektronen, Protonen und Neutronen beschreiben. So einen Brei kann niemand geniessen. Würde ich Wissenschaft nur aus solcher Perspektive betrachten, dann würde mir der Appetit auf Pizzas vergehen. Das ist das Verfluchte an all Ihren Theorien, Herr Schuster. Sie müssen noch auf den Geschmack der Pizza kommen, sonst werden die Radikalen Sie vor der Zeit einholen und vorzeitig rosten lassen. Ob voyeuristisch oder argumentativ wissenschaftlich abgestützt und gerechtfertigt. Was Sie da über das Küssen von sich geben, verdeutlicht nur, dass Sie an der Wirklichkeit vorbei gehen. Nämlich am Salz und Pfeffer, den heimtückischsten Beilagen der Wissenschaft. Wenn Kulinarisches und Wissenschaft zusammen kommen, wie das in unserem Fall eben der Fall ist, die wir über beides diskutieren, dann sind es nicht Elektronen, die ich da esse, sondern Fleisch vom Knochen. Küssen, Herr Schuster, ist Fleisch. Wenn zwei Paar Lippen aufeinander stossen, schmeckt das sogar besser als eine Rindshuft. Das Küssen, das lassen Sie sich gesagte sein, ist die höchste aller Künste.“

Wilhelm Schnepfensskorn war wiederum in rhetorische Rage geraten.

„Vor dieser Kunst geht sogar die Wissenschaft auf die Knie. Und Sie wollen daneben stehen, stehen! Und Buch führen. Ihre Nase dazwischen stecken. Wer einmal Speichel geleckt hat von fremden Lippen, der kommt davon nicht mehr los. Der DNA-Wert von Speichel, ich weiss, Herr Schuster, darf nicht unterschätzt werden. Er ist ein ganz besonderer Saft. Das wissen nicht nur die Kriminologen. Ich weiss, Herr Schuster, das ist eine Binsenwahrheit. Und der Samen, den der Mann in einer Frau abstreift, ist ebenfalls ein äusserst wichtiger DNA-Faktor. Genauso verhält es sich mit den Pizzas. Über die Pizza gelangen Fremdkörper und damit DNA-Informationen in den eigenen Körper. Umweltgifte, würde jemand sagen, der negativ zum Leben eingestellt ist. Schauen Sie, Herr Schuster, dieser fürchterliche Pizzaiolo ist schon wieder dran. Vermutlich sogar an meiner Pizza. Er will nur, dass ich noch dicker werde. Er schlägt mit dem Teigfladen um sich. Zwar wird der Teig nach einigem Herumfuchteln seine Idealform für die Pizza finden. Aber gleichzeitig schlägt dieser geschickte Pizzabäcker mit seinen Luftschwüngen Fliegen aus der Luft und in den Teig hinein und mit ihnen ihr gesamtes Erbgut, das über die Pizza schliesslich durch meine Blutbahnen in all meine Körperzellen hinein gelangt. Auf welche Mutation gehe ich zu, Herr Schuster? Sehen Sie mich schon als eine Mücke, weil ich verseuchte Pizza-DNA esse?“

„Soll ich mich zum Fliegenmassaker rumdrehen“, erkundigte sich der Angesprochene, „um zuzugucken, wie er nach den Fliegen klatscht?“

„Lieber nicht. Sie würden dann entdecken, dass er es noch weit schlimmer mit seinen Pizzas treibt.“

Fortsetzung

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