sch-ach-oe

oe äufnen

„Sich informieren, das müssen Sie tun. Ist Ihre ständige Pflicht. Information ist das oberste Gebot, wenn man etwas bewegen will. Was die Wimpel betrifft, helfe ich Ihnen gerne auf die Sprünge. In Ihrem Rücken flattert es wie im Körper. Wir sind voll von Wimpeln. Es geht auf und nieder. Das Schauspiel, das in ihrem Rücken gegeben wird, bietet einen tiefen Einblick in die Materie, einen Einblick, der das Leben versüsst und unsere freien Radikalen zu Leckerbissen für Geschmack und Gaumen und Wissenschaft erhebt. Wie die Fische in einem Aquarium gehen Pilze, Petersilie und Oliven auf und ab, nach denen der Pizzaiolo greift, um sie auf seinen Pizzateig zu legen. Wenn er seine Hand auswirft, um nach den Ingredienzien für die fertigen Pizzas zu greifen und diese aus ihren Lebensräumen zu holen, dann sieht es aus, als würde er eine Angel auswerfen. Um die Büchsen und Dosen auf dem Anrichttisch ist ein fortwährendes Auf und Ab.“

„Angel?“

„Die Finger sind die Haken.“

„Lebensräume?“

„Die Büchsen natürlich, in denen Oliven und Knoblauch stecken. Sie verstehen auch rein gar nichts von Poesie. Er dagegen ist der vollkommene Poet. Verführerisch seine Verse. Auf einmal ist die Angst vor den teuflischen Radikalen weg. Seine Verse legt er mit viel Sorgfalt auf den für sie bestimmten Teig zu einem hohen Genuss versprechenden Kunstwerk zusammen. Und Sie reden mir von Klugheit, wo doch der Hunger in mir wächst und ich mir nichts sehnlicher wünsche als eine Pizza. Herr Schuster, Sie werden mir beipflichten, wenn ich sage: Es gibt keinen schöneren Anblick als eine Pizza, die im Entstehen begriffen ist, sich quasi im Schöpfungsakt befindet. Dieses Werden, dieses Werben für Vollkommenheit, hebt sich wohltuend von allen Balanceaktionen ab, die unser Körper vollführt, um der freien Radikalen Herr zu werden und uns bei guter Gesundheit zu halten. Warum“ – Wilhelm Schnepfensskorn hatte sich wieder beruhigt und sprach leise – „Herr Schuster, soll ich nicht zugreifen und aus dem Jungbrunnen schöpfen, der sich im Pizzaofen befindet?“

„Und danach wollen Sie wieder einen Wagen in die Wand fahren?“

„Dieses eine Mal werde ich Ihren Wagen fahren. Sie wollen mir wirklich alle Freude am Tag verderben.“

„Der Pizza wird es wenig bekommen. Beim Schlag in die Mauer wird diese aus ihrem Magen herausfahren und mit deren Gesundwirkung wird es aus sein.“

„Herr Schuster, welchen Ton schlagen Sie an?“

„Das mit dem Wagen-in-die-Wand-fahren ist so eine Sache. Das tut man nicht. Das hat nichts mit Gesundheit und freien Radikalen zu tun.“

„Wie wollen Sie die Welt verstehen, Herr Schuster, wenn Sie nicht einmal eine derartige Kleinigkeit verstehen wie das mit dem Wagen-in-die-Mauer-fahren?“

„In dieser Sache kann man nichts verstehen. Der Genuss von Pizza schadet Ihnen. Sie bringt Ihren Radikalen-Haushalt durcheinander.“

„Das verstehen Sie völlig falsch. Aber ich verstehe völlig, dass Sie darauf aus sind, mich davon abzubringen, eine zweite Pizza zu bestellen, auch wenn es sich um eine kleine handeln würde.“

Fortsetzung

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