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oc Reichtum

„Sie haben so eine Art zu insistieren, die meinem Körper gut tut“, meinte Wilhelm Schnepfensskorn. „Ihr Reden befreit die Radikalen und die befreien mich. Wenn ich Ihnen zuhöre, könnte ich mich wie ein Molekül auflösen, das von seinen Elektronen befreit wird. Und das ist gut so. Denn von alledem, was Sie erzählen und besonders, was die Politik angeht, reden Sie so viel, zu viel, und zwar so, dass ich davon ganze Exzesse von Pizzen bekommen könnte. Herr Schuster, Sie müssen sich an den apolitischen freien Radikalen ein Beispiel nehmen. Einerseits zerstören diese unseren Körper, so dass wir, wie sie sagen, Herr Schuster, rosten. Andererseits hätte unser Immunabwehrsystem keine Chance gegen all die Bakterien, Pilze und Viren, die uns schaden, wenn es bei seinem Kampf nicht von den freien Radikalen tatkräftig unterstützt würde. Unser Körper hält sich nur gesund, weil er den Ausgleich zwischen diesem Einerseits und dem Andererseits halten kann, wenigstens eine Zeitlang. Im Verlauf eines Lebens gerät dieses Gleichgewicht mit der Zeit aus dem Gleichgewicht. Davon trägt der Körper Schaden. Das Zu-viel-gesund-sein-wollen fördert Teile in unserem Körper, andere Teile leiden darunter. Mit dem Altern wird dieses Gleichgewicht, diese Balance, welche bei einem gesunden Säugling aufs Beste eingependelt ist, gestört. Wir möchten, auf dem Niveau der freien Radikalen gesehen, unser Leben lang Säuglinge sein. Nur, vielleicht stellt sich diese Balance bei einem Säugling, sobald er den ersten Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, erst ein. Aber bereits beim ersten Atemzug beginnt das Zerstörungswerk. Herr Schuster, Sie haben mich auf einen ganz vorzüglichen Gedanken gebracht. Das nennt man Inspiration. Sie sind meine Muse. Das mit den Säuglingen, das müssen wir uns besser ansehen.“

„Ich habe nichts gesagt“, murrte Kurt Schuster.

„Eben.“

„Ich würde nur sagen, das mit den Säuglingen ist eine heikle Sache.“

„Und warum?“

„Die Forschung an Säuglingen ist ethisch geschehen -“

„Jetzt fangen sie schon wieder mit Politik an“, entfuhr es Wilhelm Schnepfensskorn und diesmal so laut, dass Leute an den Nebentisch herüber und der Pizzaiolo aufschaute.

„Ich sage nichts mehr“, sagte Kurt Schuster.

„Das bringt uns auch nicht weiter“, erklärte Wilhelm Schnepfensskorn. „Von uns aber, Herr Schuster, fordern die Geldgeber und Patienten, dass wir Resultate vorlegen. Die Leute wollen gesund werden, wollen gesund sein. Die Leute wollen leben wie die Schweine und davon nicht krank werden und wenn sie es trotzdem werden, dann sollen wir sie heilen. Herr Schuster, wir müssen in die Natur eingreifen, ob jung oder alt, weil die Natur aus der Materie geschaffen hat, was sie nicht selber erhalten kann. Ob jung oder alt, beides ist Natur. Die Natur baut sich selber ab, auch wenn jedes Jahr wieder Frühling wird. Dieses Defizit sollen wir ausbügeln. Das verlangt man von uns. Und das sage ich Ihnen klipp und klar. Wir verfügen nicht über genug Energie, um diesen Makel der Natur zu beseitigen. Die Balance kriegen wir nicht her, wie viel Medikamente und Gesundheit wir auch in uns hinein stopfen.“

„Sie scheitern an Ihrer eigenen Therapie, Herr Schnepfensskorn“, warf Kurt Schuster etwas unvermittelt ein.

„Was wollen Sie damit sagen?“ Wilhelm Schnepfensskorn blickte sein Gegenüber etwas quer an.

„Sie verfügen über ein überaus grosses Eigengewicht.“

Fortsetzung

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