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„Jetzt mache ich Ihnen mal etwas vor, Herr Schuster, und hören Sie genau hin. Ich werde Ihnen jetzt was aus den Lehrbüchern zitieren. Und das ist Wissenschaftssprache, die man versteht. Und die tönt so, dass solch pseudowissenschaftliche Ergüsse, wie Sie sie von sich geben, ein für alle Mal ein Ende haben. Jetzt passen Sie also auf und lassen die Finger vom Glas, wenn ich schon mal was sage:“- Wilhelm Schnepfensskorn hob den Zeigefinger – „In biologischen Systemen können freie Radikale grossen Schaden anrichten, wenn sie sensiblen Molekülen Elektronen entreissen oder sich mit Biomolekülen verbinden. Die veränderten Biomoleküle können meist ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen. Im günstigsten Fall werden sie entdeckt, abgebaut und durch ein neues Molekül ersetzt. Im ungünstigsten Fall schädigt das veränderte Molekül die Zelle so sehr, dass sie stirbt oder sich in eine Krebszelle verwandelt.“ – Wilhelm Schnepfensskorn senkte den Zeigefinger. – „Das war jetzt also ein Zitat, das genau beschreibt, was ist und geschieht und sich nicht als Seifenblase fremdwortgeladener Luft verflüchtigt.“

In einem Anfall von pubertierendem Widerstand griff Kurt Schuster dennoch während des Zuhörens nach dem Glas. Aber als er zu hören bekam, was er eben hörte, verharrte er mit offenem Mund und vergass ganz, den Wein an die Lippen heran zu führen, sodass er einen Schluck von diesem hätte nehmen können.

„Wie ich sehe, haben die freien Radikalen einen kräftigen Angriff auf Ihren Verstand unternommen und in den grauen Zellen einen ordentlichen Wirrwarr angerichtet. Schliessen Sie den Mund und fassen Sie sich wieder. Sie sehen, die freien Radikalen bedeuten unser Ende, Unausweichlich. Da gibt es nur eins. Den Kerlen mit Vitaminen beikommen und sie in die Enge treiben.“

Kurt Schuster schloss den Mund, setze das Glas ab, ohne einen Schluck genommen zu haben, und sagte nur: „Isolieren.“

„Oxidieren“, ergänzte Wilhelm Schnepfensskorn. „Man muss sie evaporieren, gar kochen und dann, wenn sie einmal weich gekocht sind, lassen sie uns in Ruhe.“

„Okklusion. Meine ich.“

„Ja, genau. Dann sind wir sie los und auch uns selber.“

„Inwiefern?“

„Sie Depp. Strengen Sie sich an. Denken Sie mit. Wir können doch nicht einen Teil von uns, von dem, woraus wir sind, vernichten und dann meinen, wir hätten das ewige Leben gefunden, auch wenn jener Teil weggeräumt würde, der uns rosten macht.“

„Stimmt.“

„Und dann könnte ich Ihnen noch eine Torte ins Gesicht schlagen. So wenig haben Sie begriffen, von dem Ganzen. Diese Elementarteilchen auf Freiers Füssen sind nicht nur ausschliesslich eine negative Erscheinung, sie tun auch Gutes. Das ist das Verfluchte an ihnen. Und das haben Sie noch nicht gesagt. Ohne ihre Hilfe bricht unser Immunsystem zusammen. Sie killen Bakterien und Viren, die uns an die Zellen wollen und damit an unser Leben. Das alles haben Sie in Ihrer aufgeblasenen Kritik an diesen kleinen Dingern ausgeschlossen. Sie vernichten kaputte Zellen, so dass sie aus dem Körper ausgeschieden werden können und der Körper selber heilen kann. Das haben Sie alles nicht gesagt.“

„Plazebo.“

„Was Placebo? Das sind Resultate unseres Forschungsgebietes, und Sie reden von Placebo und das, weil Sie wirklich keine Ahnung haben. Es ist zum die Haare ausraufen mit Ihnen.“

Fortsetzung

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