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„So kann man es sehen. Und dann müssen sie auch noch konfiguriert werden, damit sie wieder zu einem Einheitsbrei zusammen gefügt werden können. Sie, Herr Schuster, bringen immer alles durcheinander: Politik, Chemie, Biologie und Botanik und noch vieles mehr. Wo werden Sie nur enden?“

„Von Blumen habe ich nichts gesagt.“

„Sie hätten aber können. Das traue ich Ihnen zu, dass Sie in Ihren Salat noch die Botanik hinein mixen. Sie verhalten sich ganz und gar wie die freien Radikalen: Sie erzeugen Stress und damit Abnützung, Verschleiss, das, was uns altern lässt.“

„Chemisch gesprochen?“

„Nein, in unserer lebendigen Umgebung, die uns ermöglicht, an den freien Radikalen herum zu studieren.“

„Oxidativer Stress“, setzte Kurt Schuster an, „die wissenschaftliche Sprache fasst auf hervorragende Weise zusammen, was wir, Wissenschafter, beobachten und feststellen. Ich denke, das beste Bild für die Wirkung der freien Radikalen ist der Rost. Im Unterschied zu Eisen, das von Beton eingeschlossen und so von Sauerstoff und weiteren Stoffen isoliert ist und darum nicht rostet, kann der Mensch nicht von Sauerstoff und Nahrungsstoffen abgeschirmt werden. Er würde ersticken und verhungern und untergehen. Darum muss der Mensch, ganz wie ungeschütztes Eisen, vom Rosten geschützt werden.“

„Sie übertreffen sich, Herr Schuster, in Ihrer Analyse. Also diese hätte ich Ihnen nicht zugetraut.“

„Ich habe mich in die Theorie der freien Radikalen eingearbeitet“, meinte der Angesprochene nicht ohne Stolz.

„Wenn Ihre Initiative nicht ein Grund ist, um anzustossen“, bemerkte Wilhelm Schnepfensskorn mit etwas spitzer Stimme.

Dem Ton kam insofern besondere Bedeutung zu, als sich nichts Flüssiges in Gläsern und Karaffe auf dem Tisch befand. Wilhelm Schnepfensskorn Reaktion auf Kurt Schusters Lerneifer stellte darum mehr als eine simple Bemerkung dar. Sie klang fast, wie wenn die Scherben eines zerspringenden Glases auf den Boden geklirrt wären und so die Aufmerksamkeit der Gäste und vor allem der Bedienung auf sich gezogen hätten. Es lag unbedeckt auf der Hand, worum es dem Herrn am Tisch ging, wenn er sich auf solch lautstarke Art mit seinem spitzen Ausruf bemerkbar machte, der sich in seiner akustischen Kraft deutlich über den Durchschnitt des ansonst ausgeglichenen Lärmpegels im Lokal erhob.

Der Dickdurstige liess einen überstarken und ungeduldigen Seufzer der trotzigen Einladung zum erlösenden Anstossen nachklingen. Doch, kein Glas bot mit seinem Inhalt Hand zu solch freundschaftlicher Tat an. Nachschub musste her und zwar schnell – aber nicht, weil die beiden Herren am Tisch ausgemachte Alkoholtrinker gewesen wären.

Fortsetzung

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