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„Wir befinden uns auf unserem ureigentlichen Feld.“

„Beim Essen?

„Nein, bei den Radikalen.“

„Soso.“

„So ist das.“

„Was haben Sie schon für eine Ahnung von den Radikalen, die sich nicht in der Politik herum treiben.“

„Ich betreibe keine Politik.“

„Nun halten Sie mal still.“ Wilhelm Schnepfensskorn hörte gänzlich und vollkommen mit dem Kauen auf. Das wäre im Grunde genommen nicht nötig gewesen, denn auch mit vollem Mund sprach und artikulierte der Dicke so, dass man ihn verstand – wenn auch nicht gut, so doch.

Unbeirrt wie ein Prüfling fuhr Kurt Schuster weiter: „Die Radikalen dringen tief in die Materie hinein. Die ist unser Forschungsgebiet.“

„Auch ich kenne mich in der Mikrobiologie aus. Das ist mein ureigenstes Gebiet. So etwas brauchen Sie mir gar nicht erst zu erzählen. Das sind mir recht zirbelige Kerle in der Atomlehre und durchaus mit Ihnen vergleichbar: Man weiss nie, was auf einem zukommt. Das alles ist auch mir bekannt und zwar nicht die Politiker, die von der Natur keine Ahnung haben und darum ständig am Menschen vorbei“ – Wilhelm Schnepfensskorn hatte die Stimme erhoben – „politisieren. Wir Wissenschafter dagegen, zu denen man Sie, Herr Schuster, auch zählen kann, wenn man das Wort Wissenschaft weit fasst und zählebig an der Toleranz in Sachen Begriffsdefinition festhält, befassen uns mit der Materie, die nicht aus Schaumworten, billigen Versprechen und Verantwortungslosigkeit besteht, sondern als leibhaftiges Element der biologischen Forschung verstanden wird. Die Chemie bildet die Verbindung von beidem. Die Politik dagegen kommt als ein grosser Schädling daher, ob radikal oder liberal. Ihre Nebenwirkungen auf die Wissenschaften sind leider erheblich und schwierig zu beheben wie bei einem unsachgemäss eingenommenen Medikament.“

„Auch sachgemäss eingenommene Medikamente können die Wirkung von Politikerworten haben, nämlich keine“, liess sich Kurt Schuster vernehmen.

„Stimmt, den Beulenzauber, den Politiker vollführen, kann ein Wissenschafter in seinem Laboratorium nicht nachvollziehen. Der Stimmenzauber heilt bei den Herren und Damen eine sich selbst zugefügte Beule, eine Seifenblase, die, auch wenn der Zauber nicht ausgesprochen würde, von selbst abklingen würde. Ganz anders verhält es sich mit dem, was wir suchen und untersuchen. Da wächst es sich nicht von selbst ab. Eine Beule, die wir untersuchen, wächst nach und nach und weiter. In unseren Beulen befindet sich wenigstens noch Eiter, in jenen der Politiker dagegen nur Luft. Da lässt sich nichts heilen. So ist das, Herr Schuster. Das ist der Unterschied zu den Politikern. Schön reden nutzt bei uns nichts. Wir müssen genau hinschauen. Wo ein Radikaler in unser Feld eindringt, da findet sich keine Liberaler, der ihn ausser Gefecht setzt. Das ist unser Problem, Herr Schuster. Unerbittlich ist der Angriff. Zerstörerisch. Vernichtend. Die Mikromaterie kennt kein Erbarmen.“

„Da geh ich mit ihnen völlig einig.“

„Das erschreckendste Beispiel für einen solchen Angriff ist eine junge Frau, die sich für schön hält und davon ausgeht, sie könne jedes Immunsystem überwinden, welches der Mann um sich aufbaut oder vielmehr um sich hat, um sich zu schützen. Wenn die Frau sich auf seine Lippen stürzt, dann ist das der Moment, in welchem die freien Radikalen, befreit von jeder Hemmung und frei in ihrer Zerstörungskraft, angreifen und der attackierte Körper diese neutralisieren muss, damit er selber nicht untergeht.“

„Eine schöne Frau. Dagegen hat kein Mann etwas einzuwenden“, korrigierte Kurt Schuster etwas konsterniert.

Fortsetzung

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