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„Man muss sich die Inspiration dort holen, wo man sie findet.“

„Im Reich der Phantasie?“

Die Frage war so bedeutend, dass Wilhelm Schnepfensskorn, obwohl eine grössere Redepause folgte, nicht weiter ass. Er trieb in Gedanken einige Momente dahin und meinte dann: „Wenn man in einem Gespräch auf den Begriff Phantasie stösst, dann stösst man auf einen Stillstand. Genauso, Herr Schuster, beim Begriff Logik.“

„Das ist nicht möglich. Die Phantasie ist genau das Gegenteil von Stillstand.“

„Der Forscher steht exakt im Zentrum dieser beiden Pole. Er wechselt mehrmals am Tag zwischen Stillstand und Phantasie. Der Forscher ist wie ein Schalter, der fortwähren ein und ausgeschaltet wird. Der Forscher wird ständig von einem Extrem ins andere geworfen. Der Forscher befindet sich in einem fortwährenden Schüttelfrost. Er muss sich gut ernähren. Stärken nennt sich das in einem gewogeneren Deutsch. Und was die Phantasie angeht: Die ist wie ein Urwald, in dem man sich verliert. Und weil man sich verliert, straft einem die Phantasie damit ab, dass sie die Bäume auseinander nimmt und man noch tiefer in den Urwald hinein gerät und sich gänzlich darin verliert. So ist das mit der Phantasie, Herr Schuster. Die Wissenschaft, die Forschung dagegen bietet Halt. Da bewegen sich keine Bäume gemäss der Regeln der Phantasie, wenn sie solche überhaupt kennt und nicht ziellos Amok läuft. Die Bäume gehen nicht auseinander, wissenschaftlich gesprochen. Sie nehmen nicht plötzlich an Volumen zu. Sie gehen auch nicht auseinander in dem Sinn, dass sich die Zwischenräume zwischen ihnen vergrössern. In der Wissenschaft gibt es keine solchen Begebenheiten. Herr Schuster, Sie geben sich Täuschungen hin.“

„Die Wissenschaft sind Flecken unter dem Mikroskop. Diese Informationen müssen interpretiert und ausgelegt werden.“

„Ihre Bemerkung ist insofern nicht vollständig, als Sie nicht gesagt haben, inwieweit der Fleckenteppich auf einer Pizza interpretationswürdig ist.“

Wilhelm Schnepfensskorn nahm einen Bissen. Kurt Schuster führte sich ein Stück Pizza zu. Zwischen den beiden herrschte für einen Augenblick quasi ein Waffenstillstand. Schliesslich erklärte Kurt Schuster: „Alles, was auf diesem Fleckenteppich der Pizza liegt, ist zuviel genossen, ungesund. Dieses Fett und all das eingemachte Zeug aus der Büchse, die Pilze und öldurchtränkten Artischocken sind ein radikaler Angriff auf den Körper. Das wissen sie, Herr Schnepfensskorn.“

„Wollen Sie mir den Appetit verderben.“

„Nein, aber es ist eine Tatsache, dass man, wenn man zuviel isst, ungesund lebt. Und die Radikalen spielen dabei eine wichtige Rolle.“

„Jetzt fangen Sie aber nicht schon wieder mit Politik an. Das hatten wir heute schon. Ich esse Sticks, und sie kommen mir mit den Radikalen, dann wohl auch noch mit den Kommunisten und bald mit den Liberalen.“

„Mit Verlaub, ich sehe den Zusammenhang nicht.“

„Ich befürchte ihn. Sie schlagen aus allem Politik. Was man auch sagt, Sie drehen und wenden es, bis daraus Politik wird.“

„Die Radikalen haben nichts mit Politik zu tun, sondern mit Wissenschaft“, verteidigte sich Kurt Schuster.

„Erklären Sie sich.“

„Was soll ich sagen. Wenn man mich nicht versteht, dann heisst das, dass man mich nicht verstehen will.“

„Bitte, kommen Sie zur Sache. Meine Sticks habe ich bald zu Ende gegessen.“

Fortsetzung

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