sch-ach-ng

ng Omar

Schliesslich stand das Gebilde so, wie es sein musste: Die beiden Gäste sassen am Tisch, der Kellner – die beiden anderen stahlen sich neutral davon – wartete daneben. Die ganze Operation hatte jedoch alles, was sich auf der Tischplatte bereit befand, arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Bestückung des Tisches fiel fast von diesem. Der Kellner schob das Tuch wieder zurecht und stellte ebenfalls die Pfeffermühle auf. Eine Flasche Wein beförderte er an ihren angestammten Platz in die Tischmitte mit dem Hinweis, dies sei die heutige Weinempfehlung des Hauses. Die Flasche hatte sich der Kellner geangelt, bevor sie vom Tisch fiel. Die beiden liegenden Speisekarten sowie auch ein Ölfässchen hatten den Angriff des Dicken, ein Bezeichnung, die zu äussern sich der Kellner tunlichst hütete, standhaft überstanden.

Die beiden neuen Gäste wählten ohne Mühe ihre Gerichte. Der Kellner nahm die Bestellung auf und entfernte sich vom Tisch.

Wilhelm Schnepfensskorn und Kurt Schuster erinnerte die aus sicherer Ferne diskret äugende Pizzeria-Belegschaft an den Wissenschafter und den Schachspieler: der eine überdick und massig, der andere schmächtig und normal gestaltig.

Jeder Normalgewachsene sah neben dem Dicken dünn aus.

In seinem Universum, vom übrigen Raum durch eine Theke abgetrennt, drehte und knetete der Pizzaiolo unverdrossen seinen Teig. Er nahm von diesem jeweils einen Ballen in die Hand, setzte ihn auf den Zeigefinger und schwang das Gebilde mit der grössten Selbstverständlichkeit, bis es einen Fladen bildete und damit zum Boden für eine neue Pizza taugte.

Wilhelm Schnepfensskorn, der mit dem Rücken zum Fenster, mit dem Gesicht zum Pizzaofen sass, studierte das Treiben des Pizzaiolos. Dieser schaute frech und selbstsicher zurück. Er hatte mit diesem und dieser mit ihm sein Spielchen getrieben. Was bei dem Spiel genau vor sich gegangen war, das lag vermutlich verborgen in einer weissen Schatulle. Die Fakten hingegen lagen auf der Hand. Jener hatte ihm den Wagen gezahlt und war dann in eine Wand gefahren. Und nun erfrechte sich dieser, sich ausgerechnet in die Nähe des Pizzaofens zu setzen. Die Motorenwärme genügte ihm offenbar nicht.

Im Grunde stellte das Vorgehen des Dicken eine ungeheure Provokation dar, welche mit der Pizzaklatsche hätte beglichen werden müssen. Es gibt gewisse Herren und Damen, die dürfen sich einfach alles erlauben. Der Pizzaiolo warf einen neuen Ballen Teig in die Luft und fing ihn wieder auf.

Fortsetzung

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