sch-ach-nd

nd Gerecht

Für diesen hing in der Gaststätte etwas in der Luft, das dessen Interesse auf eine bestimmte Stelle lenkte. Der Duft schwebte aus der Ecke heran, in welcher der Holzofen stand. Im Gastraum haftete glücklicherweise nirgends der schwere Geruch von abgestandenem Öl, wie es bei der Herstellung von Massen-Frites durchaus der Fall sein kann, und der sich aggressiv und penetrant in die würzigen und raffinierten Aromen und Duftnoten aus der Küche mischt. Ganz anders als in Fastfoodrestaurants zog vom Holzofen her das angenehme Gefühl wohliger Wärme, Wohlgeruch, der rauchstäbchenfrei in die Nase stieg und die Gutherzigkeit des Feuers sachte in die Brust hinab steigen liess. Der beflügelnde Atem des Ofens ging einher mit dem Odem knusprigen Teigs, geröstet im Bauch der Kuppel, welche ansprechendes Wohlgefühl ausstrahlte.

Nahe diesem Feuer, welches für das Wohlbehagen im Raum sorgte, wirkte das Sitzen und Warten auf die bestellte Pizza wie das Verweilen vor einem Knusperhäuschen.

Wer, der sich als grosser Schlemmer verstand, hätte sich in solchem Fall ins Abseits gestellt?

Wilhelm Schnepfensskorn sah zudem danach aus, als benötige er nach der Begegnung mit der Frau dringend Streicheleinheiten.

Die Wärme, die aus dem Ofen stieg und die über die für weitere Gäste vorbei getragenen Pizzas in den Raum verbreitet wurde, mischte sich im Verlauf des Abends mit einer weiteren, nämlich jener, die aus den Weinkelchen und aus den Gesprächen kam.

Um die drei Elemente Feuer, Wein und Gespräch glücklich zu vermengen, eignete sich die Pizzeria vorzüglich. Ihre Atmosphäre taugte ausgezeichnet für gemeinschaftliche Treffen, für ein einfaches Tête-à-tête, für den Quartierklatsch, für tiefschürfende Gespräche. Die gleitende unterschwellige Glut des Ofens gewährte dem Raum für die Dauer eines Abends jene Sphäre, die glücklich sich liebende Menschen zu eindrücklichen Höhepunkten in der Gemütswelt führen, bei widersprüchlich sich Liebenden wenigstens die Gefühle für die Dauer eines Essens wieder in Einklang bringen.

Nach nichts von alle dem stand jedoch der Sinn bei Wilhelm Schnepfensskorn und Kurt Schuster.

Diesen suchten das Restaurant allein in der Absicht auf, um sich zu verköstigen. Zwischen den beiden bestanden keine Gemütsgemeinsamkeiten, die der Wärme oder Erwärmung bedurften.

Wilhelm Schnepfensskorn wollte diesen Aufenthalt jedoch nicht ausschliesslich zum Zweck der Nahrungsaufnahme verstanden wissen. Er bestand darum darauf, dass sich beide nicht mit einem Eckplatz zufrieden gaben. Der Chef wollte im Lokal auch noch etwas anderes sehen als den Gehilfen. Ein zentraler Tisch entsprach diesem Wunsch besser als ein solcher in einer Ecke, eingezwängt zwischen drei Mauern, einer Nische eben. Eine solche erschwerte es ungeheuerlich, der Aufmerksamkeit des Gegenübers zu entkommen. Der Blick vermochte nur nach einer Seite zu fliehen.

Fortsetzung

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