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„Das weiss ich. Sie werden niemals so viel leisten können, wie ich es tue. Aus diesem Grund können wir unbesorgt eine Pizza essen gehen. Es stellt sich nur die Frage: Wollen wir gehen oder wollen wir fahren?“

Kurt Schuster schaute den Frager an und meinte nach kurzer Überlegung: „Ich getraue mir nicht zu antworten.“

„Dachte ich mir. Wenn es darum geht, einen Entscheid zu fällen, sind Sie immer kurz angebunden. Etwas zu Fuss würde uns beiden gut bekommen. Man sagt, Bewegung sei gut für die Gesundheit. Dieser Meinung bin ich auch. Ich werde ein Taxi bestellen. Denn ich bin auch der Meinung, Bewegung tut auch der geistigen Gesundheit gut. Wir werden durch die Stadt fahren, auch wenn es bis zur Pizzeria nicht weit ist und wir sie durchaus zu Fuss schnell erreichen würden. Aber das Taxi ist in Bewegung, ist Bewegung. Der Fahrer darf auch einen Umweg fahren, eine längere Strecke zurück legen. Wichtig ist, dass wir in Bewegung sind. Das ist beste geistige Nahrung, nach dem Showdown, den wir eben erlebt haben. Es darf nur nicht geschehen, dass wir in einem Stau stecken bleiben. Das ist unbedingt zu vermeiden, notfalls mit Umwegen. Staus sind Gift für den Geist. Darum regt man sich nur auf, wenn man in einem solchen steckt und sich nichts bewegt. Und das wollen wir nicht, Herr Schuster. Wir wollen eine Pizza essen. Sorgen Sie dafür, dass wir während der Fahrt nicht in einen Stau geraten. Das werden Sie doch können? Der Fahrer darf ruhig eine Runde mehr drehen als sonst. Diese wird mir meine Gedanken wieder gerade biegen. Sind Sie bereit? Können wir gehen, ohne dass es wegen Ihnen zu weiteren Verzögerungen kommt.“

„Wir haben das Taxi noch gar nicht bestellt?“

Wilhelm Schnepfensskorn geriet in Fahrt. „Tun wir das? Tun Sie das? Nein, ich mache es selber. Sie sind noch fähig, eines dieser Gefährte zu bestellen, in denen man keinen Platz findet. Sie sind fähig und bestellen mir ein Fahrrad. Nein, das werde ich selber erledigen.“

Wilhelm Schnepfensskorn wuchtete sich von seinem Stuhl wieder auf, auf welchen er sich nach der Verabschiedung der Gäste mit grossem Geächze gesetzt hatte.

Er bewegte sich hinüber zu seinem Pult und wählte nach dem Gedächtnis die Nummer der Taxigesellschaft. Er stellte sich vor und Kurt Schuster musste nicht lange warten, bis er hörte: „Ja, ja, wie immer den grössten Wagen. Wie immer für meine Bequemlichkeit.“

 

Der Ausstieg

An dieser Stelle hätte ein ungeschickter Autor einschieben können, dass am anderen Ende der Leitung eine spasshafte Person den Anruf Wilhelm Schnepfensskorn entgegen genommen hätte. Eine Person, die mit dem Anrufer vertraut gewesen wäre und in das Gespräch eine auflockernde Bemerkung eingeschoben hätte, etwa nach dem Muster: ob es auch ein Lastwagen sein dürfe, falls der grösste Wagen bereits gebucht sei.

Aber nein, so etwas sagt die angestellte Person einer Taxifirma am anderen Ende der Leitung nicht. Denn Wilhelm Schnepfensskorn gehörte zu den guten Kunden. Einen solchen verdriesst man nicht. Einen solchen Kunden trägt man auf den Armen, wenn schon nicht zum Taxi, so doch am Telefon. Den fasst man nur mit Samthandschuhen an, wenn man ihm beim Einsteigen hilft.

Fortsetzung

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