sch-ach-mo

mo Ungnade

„Wenn Ihnen das dienlich ist“, – Kurt Schuster erhob sich nicht von seinem Stuhl, sondern rückte diesen etwas weiter von seinem Vorgesetzten weg gerückt. – „kann ich mich erheben und mich vor Sie hin stellen, und Sie können auf diese Weise Ihre nichtamtliche Unterweisung an mir erledigen.“

„Hinaus! Ich habe gesagt: Hinaus! Ich werfe Sie hinaus!“ Alles Fett an Wilhelm Schnepfensskorns Leib bebte.

„Was wollen Sie nun? Sie verwirren die Gäste. Versohlen oder hinaus?“

„Raus!“ Der Chef machte Anstalt, sich zu erheben, sank aber nach dem schwachen Versuch gleich wieder zurück.

„Ich soll Sie mit unseren Gästen allein lassen. Das können Sie mir und sich selber nicht antun. Wer soll Tee und Kaffee servieren?“

„Es ist unsäglich, wie Sie mir keinen Respekt zollen. Ich bin Ihr Vorgesetzter.“

„Das habe ich nie in Frage gestellt.“

„Jetzt hören Sie schon auf, ständig zu reden. Schweigen Sie auf der Stelle, wenn Sie schon nicht gehen wollen.“

„Herr Schnepfensskorn“, sagte nun die Frau, „dies ist eine äusserst aufschlussreiche Lektion. Ich sehe, Sie denken in Zusammenhängen.“

„Was er da sagt“, entgegnete Wilhelm Schnepfensskorn, indem er auf Kurt Schuster wies, „ist nichts als wilde Schaumschlägerei oder meinetwegen Himmelskleckserei. Es entbehrt jeder Wissenschaftlichkeit, jeder wissenschaftlichen Grundlage. Eine Schande für das Institut! Ich bin erschüttert. Sie sehen, liebe Frau, mit was für Leuten ich zusammen arbeiten muss. Es ist erschreckend, was heute für Gestalten von den Universitäten in die Forschungsinstitute entlassen werden. Vermutlich schreiben sich diese alles gegenseitig ab. Statt mich auf meine Arbeit konzentrieren zu können, muss unsereiner sich mit solchen Gesellen herum schlagen und zudem ganz scharf darauf achten, dass sie nicht Hand an die bereits bestehenden Forschungsresultate legen. Die schicken diese in die Bildungsanstalten, wo die Dokumente dann von den Bildungshungrigen – nein! von den Titelbedürftigen abgeschrieben werden können.“

„So kommen wir nicht weiter. Ihre bescheidenen Forschungszusammenhänge erbrachten in meinem Fall nichts – und ich gebe Ihnen, Herr Schnepfensskorn, noch eine Chance und ergänze darum: Sie ergaben bisher nichts.“

„Meine liebe Dame, ich habe Ihren zeitlichen Versetzer durchaus bemerkt; dass Sie mir ein neues Ziel setzen, zeitlich, aber nicht inhaltlicher Art. Meine Antwort kann ich aber nicht abändern. Sie bleibt die gleiche, auch wenn Sie das Ziel weiter schieben, immer weiter.“

Nun mischte sich der Begleiter der Frau ins Gespräch ein und meinte: „Du hast schon lange nicht mehr so richtig gehustet. Nur einige kleine Hüsterchen, eine Nuance, damit der Herr merkt: Wir meinen es ernst. Es sieht ganz danach aus, als ob die Atmosphäre hier deiner Gesundheit bekommt: Du hustest nicht. Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich habe Sie, Herr Schuster, als durchaus kompetente Sachperson in allen Belangen der Wissenschaft erfahren. Ich habe mit grossem Interesse mitgehört, was Sie alles durchaus als interessante Idee dargelegt haben. Wolken sind immer ein guter Ansatzpunkt für jede Planung und, wie ich hier eben gesehen habe, auch Forschung. Darum wende ich mich nun an Sie und frage: Wie beurteilen Sie die Sache mit dem Husten?“

Fortsetzung

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