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„Im Gegenteil, mir kommt es vor, als sei die Wissenschaft ein Spiel, das nicht ernst genommen wird. Sie sitzen hier, lagern die Beine hoch und geben vor, nachzudenken.“

„Also, liebe Frau, so kommen wir nicht weiter, wenn wir uns ständig widersprechen. Auch unsereins hat ein Ziel, damit er seinen Weg findet und die richtige Richtung, die vielleicht zur Lösung unseres gemeinsamen Problems führt. Sie sehen, ich nehme an Ihrem Schicksal Anteil.“

Die Frau wollte in die Luft fahren. Ihr Begleiter hielt sie zurück, sonst wäre sie dem Dicken an die Kehle gesprungen, wie es im Fall eines vor sich hin schwafelnden Politikers, der sich um alle Antworten und Verantwortung drückt, durchaus statthaft gewesen wäre. Der Begleiter meinte dann an den redseligen Forscher gewandt: „Regen Sie die Frau nicht auf! Sie könnte husten. Sie ist sehr schwach auf der Brust. Wir sind nicht hierher gekommen, damit es ihr nachher noch schlechter geht.“

Wilhelm Schnepfensskorn studierte die Situation und sagte zunächst nichts.

Kurt Schuster nutzte die Pause und meinte: „Wir sollten uns an den Wolken halten. Jeder Mensch hat etwas von ihnen. Sie zergehen, sie vereinen sich und gehen zusammen, bilden so ein Dach, das Schatten spendet und Regen bringt.“

„Das hat mir gerade noch gefehlt“, fuhr Wilhelm Schnepfensskorn dazwischen. „Wolken! Wolken, die uns Regen bringen. Wolken, die Schatten spenden. Müssen wir Forscher noch zu Regenmachern werden und die Wolken beherrschen? Das frage ich Sie, liebe Frau. Der Kerl da“ – der Redner wies auf Kurt Schuster – „ist für kluge Antworten nie zu haben. Ein wandelndes Ärgernis für ein Forschungszentrum wie das unsere, nichts anderes stellt er dar! Wolken, statt Antworten. Aber auch Ihre Frage spielt mich an die Wand. In Ihren Rachen kann ich zwar einen Blick werfen, aber sehen werde ich nichts, was Ihnen nützt. Hier benötigen wir Gewebeproben. In diesen können wir nachschauen, was nicht funktioniert.“

Kurt Schuster sah sich genötigt, erklärend einzugreifen: „Das ist ganz genau das, was ich mit meinem Rückgriff auf die Wolken meine. Manchmal sehen sie so aus, manchmal so. Einmal zeigen sie schönes Wetter an, ein andermal Regen. Man muss nur genau hin sehen.“

„Jetzt lassen Sie mich aber mit Ihrem blöden Regen in Ruhe, sonst werfe ich Sie hinaus!“

Kurt Schuster beharrte: „Die Erde braucht Regen, sonst verdorrt sie und wird unfruchtbar. Das ist ganz so wie mit der Lunge der Frau.“

„Also Herr Schuster! Unterstehen Sie sich!“

„Aber Herr Schnepfensskorn, Sie wissen es genau so wie ich. Im Gewebe gibt es schlechte Teile. Die braucht es, damit die guten Teile bestehen, wachsen und wehren können. Keine Schönwetterwolken ohne Schlechtwetterwolken. Es braucht die schlechten Teile, damit sich die guten immunisieren können.“

„Herr Schuster, sind Sie in den Wolken?“

Fortsetzung

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