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ml Niedelage

Dieser Befund bedurfte wahrlich keines Doktorats. Er wurde von den Anwesenden stillschweigend geteilt. Dem grossen Votum folgte jenes Schweigen, das in vielen Gesprächsrunden bekannt ist und erfolgt, nachdem ein unpassendes Wort gesetzt wurde.

Die rettende Eingebung kam von Kurt Schuster: „Die Wolkenvielfalt ist das beste Spiegelbild von allem, was hier geschieht. Man braucht nur hinauf zu sehen, zum Himmel. Dann sieht man, wie alles zusammen fliesst und auseinander geht, wie die Wissenschaft und das Leben zusammen finden und neue Formen bilden. Die Wolken sind bestens geeignet, um das zu beschreiben, was wir hier vorfinden und machen.“

„Ihnen hat es ja ins Hirn geregnet! Wir werden dieser Dame sicher nicht mit Wolken helfen können. Sie will handfeste Hilfe und nicht etwas, das vom Himmel fällt und verdunstet, noch bevor es unten angekommen ist. Tabletten möchte sie und eine Therapie, und dass wir ihr dies zur Verfügung stellen, weil wir forschen, und nicht wolkige Floskeln. Ihre himmlischen Wolkenflocken werden sie nicht weiter bringen. Verstehen Sie das?“

„Sie haben begriffen, was ich will. Was können Sie mir anbieten?“

„Ja, liebe Frau, ich kann Sie nicht untersuchen. Ich bin kein Arzt.“

„Was können Sie dann?“

„Jenes bereit stellen, das Ärzte Ihnen geben, nachdem diese eine Diagnose gestellt haben. Ich stelle fest, dass Sie husten. Ich kann Ihnen nur sagen: Hören Sie mit dem Rauchen auf. Zudem müssen Sie die Kleider wechseln. Der Rauch steigt sogar aus diesen heraus.“

„Ich sehe, für billige Spässe sind Sie immer gut. Sie werden Ihrem Ruf in allen Lebenslagen gerecht. Ich brauche aber nicht Spässe, ich brauche Hilfe. Man hat viel in Sie investiert, mein Herr. Sie stehen einem Forschungszentrum vor und verfügen über ein sattes Budget. Ich gehe davon aus, dass Sie nicht alles in Ihren Bauch investieren.“

„Glyzinie! Wie kannst du in einem solchen Augenblick nur von Geld reden und an solche Äusserlichkeiten wie einen dicken Bauch denken?“, unterbrach der Begleiter die Frau.

„Forschung ist Geld. Wenn sie nicht hilft, ist sie rausgeschmissenes Geld.“

„Die Inspiration lässt sich nicht kaufen“, antwortete Wilhelm Schnepfensskorn.

„Da haben Sie völlig recht“, pflichtete der Begleiter der Frau bei.

„Sie haben Geld. Sie haben Zeit. Sie haben einen guten Ruf und eine Wissenschaft und eine Presse, die vor Ihnen auf die Knie fällt. Das haben Sie. Warum können Sie nicht helfen?“

„Die Wissenschaft darf sich nicht durch solche Anwürfe blockieren lassen. Das Warum? Diese Frage stellt sich gar nicht. Wer diese Frage stellt, hat nichts davon verstanden, was Wissenschaft ist. Das ist nicht Arroganz eines Wissenschafters, sondern bittere Realität. Wir müssen forschen, dem inneren Drang des Menschen folgen. Sonst wären wir Tiere geblieben.“

„Ich soll wie ein Tier krepieren. Das ist der Sinn der Wissenschaft. Man muss ehrlich sein und der Wahrheit ins Auge blicken. Die Wissenschaft versagt. Sie rühmt sich mit den kleinen Erfolgen die sie erringt, damit sie das grosse Geld heran kommt.“

„Das Forschen, meine werte Dame, muss kein Ziel haben. Die Wissenschaft ist kein Spiel, wie etwa das Schach, das gespielt wird, damit jemand im besten Fall als Sieger dasteht. Die Wissenschaft ist weder ein Brett auf dem Tisch, noch eines vor dem Kopf. Im schlechteren Fall ergibt sich im Schach ein Unentschieden und im schlechtesten wird das Spiel abgebrochen. Die Wissenschaft dagegen, meine werte Dame, schreitet immer vorwärts.“

Fortsetzung

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