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mk Kampf

„Was reden Sie da von Radikalen? Ich bin nicht wegen der Politik her gekommen. Ich vertrete keine radikalen Positionen, sondern will nur wissen, was Sie hier so den ganzen Tag tun, so dass es mit Ihrer Forschung nicht vorwärts geht. Das hingegen ist meine radikale Forderung.“

„Das mit den Radikalen war ein Scherz.“

Das Gespräch musste wegen eines erneuten, sehr starken Hustenanfalls unterbrochen werden.

Der Hustenanfall gab Wilhelm Schnepfensskorn und Kurt Schuster die Gelegenheit, sich um das Wohl der Frau zu kümmern, indem sie sich gemeinsam bemühten, für diese eine Sitzgelegenheit zu beschaffen. Diese befand sich vor einem Tisch, von welchem der Gehilfe eilig etliche Gegenstände entfernte und auf diese Weise frei machte.

Der Begleiter führte die Frau behutsam heran und half ihr, als sie sich am Tisch nieder liess.

Kurt Schuster eilte davon und kam bald mit einem Glas Wasser zurück, das er vorsichtig auf den Tisch setzte. Der Frau erholte sich langsam von dem wildwütigen Anfall und räumte das verschmutzte Papiertaschentuch weg, das sie sich schützend vor den Mund gehalten hatte.

Die Männer liessen ihr Zeit, damit sie sich vollends zu erholen vermochte. Sie setzen sich ebenfalls an den Tisch. Kurt Schuster hatte sich beeilt, rechtzeitig den umgefallenen Stuhl seines Vorgesetzten heran zu ziehen. Der gewichtige Mann nahm ohne all zu grosse Schwierigkeiten und ohne erneuten Zwischenfall – diesmal zwischen Tisch und Stuhl – Platz. Der Tisch wurde zudem nicht weg gerückt, um Platz für den sich zu Setzenden zu schaffen. Wilhelm Schnepfensskorn begnügte sich mit dem Raum, den ihm Tisch und Stuhl gewährten. Gekonnte hievte der sperrige Mann sein Gewicht auf den Stuhl, verteilte es gleichmässig und schnaufte dann tief durch. Der Stuhl verschwand unter der Masse. Die Masse schwieg, angestrengt atmend.

Schliesslich ergriff die Frau erneut das Wort: „Ich bin nicht Sozialistin. Ich bin nicht Demokratin und auch nicht Mitglied einer völkischen Partei, auch nicht einer religiösen oder radikalen. Das alles interessiert mich nicht. Ich bin lediglich hier, um Sie zu fragen, ob Sie mir helfen können oder nicht und wenn nicht, warum dann nicht? Das sind die Fragen, die mich beschäftigen, und nicht Politik, die Sie ins Spiel bringen wollen und dies nur, um auf diese Weise von meinen präzisen Fragen ab zu lenken. Sie sind mir ein guter Politiker, vielleicht sogar gewieft! Diesmal werden Sie sich jedoch nicht so einfach verabschieden wie von der Wette.“

„Wer spricht hier von Wette und von Politik?“

„Sie werden sich nicht noch einmal drücken.“

Wilhelm Schnepfensskorn atmete hörbar tief durch und meinte, nachdem er die Lunge geleert und somit Freiraum für Worte geschaffen hatte: „Oh heilige Unkenntnis, liebe Frau, lassen Sie mich jene Vitamine sein, die jene Radikale aus Ihrem Ideengut entfernt, die macht, dass Sie denken, ich wolle mit Ihnen ein Gespräch über Politik oder ein ähnliches Unding führen oder mich vor einer Wette drücken, die so wie so zu nichts anderem führt als zu falschen Hoffnungen. Die Medizin ist ein vielschichtiges Feld, aber bezüglich einiger Aspekte kann sie sehr präzise Zustände beschreiben, was sich von der Politik aber bei bestem Willen nicht sagen lässt. Darauf können Sie mit mir wetten. Die Medizin sieht, und dies auch ohne dass ein Herr Doktor das sagt, dass Ihr Husten seit unserer letzten Begegnung an Kraft zugenommen hat. Um Ihre Lunge ist es sehr schlecht bestellt.“

Fortsetzung

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