sch-ach-me

me Umbruch

„Ich kann nur sagen, sie sollen in ihr zerstörtes Paradies zurück und uns in Ruhe lassen. Wenn sie das nicht tun, dann müssen sie sich eingestehen, dass in ihrer Heimat, das heisst in ihrem Kopf etwas faul ist.“

„Na, das beruhigt mich: Sie sprechen wenigstens nicht mehr von Genen. Für den Moment haben Sie den Zementmischer in Ihrem Kopf abgeschaltet. Das verhindert vielleicht, dass ihr Hirn sich noch ganz zu betoniert. Ich dachte, schon, sie hätten Politik und Wissenschaft verwechselt und das hätte sich zu einem steinharten Klumpen in Ihrem Denken verfestigt. Denn ich weiss wirklich nicht, wie ich das eben Gehörte in meine Forschung einbringen soll. Zwischen dem, was Sie tun, und dem, was ich tue, liegen himmelweite Unterschiede. Sie reden von etwas wie Gesellschaftskritik. Die medizinische Forschung baut auf einer anderen Grundlage auf. Wir haben uns deutlich vom Beginn unseres Gesprächs entfernt. Es sind öde Töne, die Sie anschlagen. Ich bitte Sie, schleunigst Ordnung in Ihre Gedanken zu bringen und in dieser wirklich das überlegt abzulegen und peinlich genau einzureihen, was für unser Institut von Belang ist, und nur das. Sonst finden wir nichts mehr. Von Belang! Habe ich gesagt. Und nicht Humbug.“

Kurt Schuster gab nicht klein bei: „Es darf nachgefragt werden, ob das, was in unserer Gesellschaft vor sich geht, nicht Abbild ist von dem, was wir unter dem Mikroskop sehen. Wir suchen Abwehrstoffe und Einflussmöglichkeiten. Und genau so wie unter dem Mikroskop verhält es sich mit der Gesellschaft. Auch in dieser finden sich solche Gebilde, die einfach das Gesunde austilgen wollen, indem sie rein nichts anderes tun, als an ihrer ungesunden Lebenshaltung fest zu halten. Das macht uns auch zu schaffen, was wir unter dem Mikroskop sehen.“

Die beiden Männer befanden sich, von ihrer Umgebung abgesondert, in tiefer und angeregter Diskussion, der eine nicht zu bremsen, der andere auf der Hut vor dem, was er hörte, so dass sie gar nicht bemerkten, wie eine Frau und ein Mann den Raum betraten. Die beiden Forscher blickten sich darum höchst erstaunt an, als sie eine weibliche Stimme hörten, die bemerkte: „Bin ich ein derartiges Gebilde, das die Gesellschaft bedroht und sich nicht heilen will?“

Kurt Schuster schaute sich mit grossen Augen um und die Frau an. Wilhelm Schnepfensskorn, mit kleinen Augen, reagierte. „Ach, schau an, wir sind uns bereits begegnet. Womit kann ich dienen?“, fragte der Institutsleiter, ohne sich vom Stuhl zu erheben, über dessen Ränder das Gesäss quoll. An die Frau und ihren Begleiter erging keine Aufforderung, sich doch zu setzen.

Fortsetzung

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