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Bei dieser Aktion dringt der Blick in eine Kleinheit ein, die dem Zufall eine bedeutende Wirkungskraft gewährt. Was beobachtet wird, wird entsprechend offen interpretiert.

Dabei taucht dringend die Frage auf, ob es der Vernunft entspricht, so genau, oder vielmehr, so tief in die Materie hinein zu blicken. Bei so viel Kleinheit und möglicherweise Detailversessenheit kann es durchaus geschehen, dass die Übersicht verloren geht und Falsches gefolgert, Gefährliches erschlossen und in die Welt gesetzt wird. Das Element an und für sich ergibt kein Ganzes. Das Blickfeld limitiert sich auf eine äusserst kleine Fläche, wie beim Schachbrett. Letzteres grenzen jedoch klare Seitenlinien ein. In der Mikroskopie gehen die betrachteten Felder nach allen Seiten unendlich weit auseinander. Das Auge muss ihnen folgen. Die Zusammenhänge, die etwas bewegen, fehlen.

„Muss ich diese selber herstellen?“

Vom Okular entfernte der betrachtende Forscher sein Auge und blickte auf den Bildschirm neben dem Mikroskop. Er räusperte sich und meinte dann an den Anderen gewandt: „Die Forschung ist ein geistiges Dünngebiet. Es ist unbedingt notwendig, die Details äusserst genau zu betrachten?“

Er wandte sich wieder seinem optischen Gerät zu, das ihm die Materie näher brachte, vertiefte sich in den Anblick, der sich ihm durch die Linsenflucht bot: Eine geleeartige Masse, in der fleckenartig Körper schwammen, ohne sich jedoch zu bewegen. Der Betrachtende wusste aus Erfahrung, welche Gebilde er wie einzuordnen hatte. Die einen erkannte er, wie es in der Medizin so schöne heisst, als gutartige Natur. Andere Flecken jedoch stufte er als Bedrohung ein. Was er sah, blieb aber bei jedem Einstieg in dieser für den Wissenschaftler eigentlich doch so vertrauten Welt trotzdem ein Gebiet mit vielen Unbekannten.

Was er sah, war im Grunde eine Spiegelung der gesellschaftlichen Struktur, die den Alltag bestimmt. Auch diese unterstand einer ständigen Mutation. Die Gebilde, die sich als Einzeller verschiedenster Gattung im Gewässer unter der Linse tummelten, sprachen den Betrachter jedoch an dem Tag wenig an. Denn es herrschte zu viel Betrieb in der Forschungsstation. Bakterien, Pilze und Archaeen, kurz die ganze Mikroflora und Fauna, der Baustein des Lebens, verwirrten ihm mehr, als dass sie ihm Erhellendes lieferten.

Fortsetzung

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