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Unendlich lang dauert die Zeit, bis sich im Reagenzglas etwas bewegt. Wässrig liegt die undefinierbare Farbe im Glas und rührt sich nicht. Erst gerührt wird sie zu einem Cocktail, der zum Genuss nicht bestimmt ist. Der Trank liefert Informationen über die Grundstoffe, die ihm zu Grunde liegen und trägt auf diese Weise erhellendes zur Mehrung des Wissens bei, das der Mensch im Schauglas der Wissenschaft bereit hält. Laboratorien beeindrucken durch die Batterien an Phiolen, welche sie fein säuberlich geordnet als Objekte des Studiums in Gestellen stehen haben.

Ein Cocktail mundet in den variantenreichsten Formen, versetzt mit Kernobst oder Hülsenfürchten, bewehrt mit einer Olive. Nur dass er farbig aussieht! Darauf kommt es an. Farbig wie die Farbenpracht, welche aus den Liquiden in den Reihen der Fläschchen und Gläschen im Laboratorium heraus leuchtet.

Ein Cocktail wirkt anders. Die Flüssigkeit, erlöst aus der Flasche und eingegossen in ein Glas, aufgeschäumt mit Soda und durchquirlt mit einem Rührstab zu einem Getränk, in welchem sich die Verschiedenheit der Ingredienzien nach dem Durchgang durch den Schüttelbecher gesetzt haben und in verführerischer Ruhe auf den Kraftakt im Gaumen warten, um dort, des Glases befreit, ihre Blume zu entfalten und die Duftstoffe frei zu geben, so dass der Geniesser nach der Begegnung mit dem destillierten und aus Früchten heraus gepressten Nektar zufrieden zurück sinkt in die Position glücklicher Ermattung; ja, so wirkt der Genuss des Tranks, gemixt und geschaffen aus allem, was die Natur her gibt: unüberschaubar in seiner geniesserischen Vielfalt, sättigend, was die Bedürfnisse des Gaumens betrifft, Genuss ergibt sich aus dem Zusammenkommen verschiedener Elemente. Nicht allein auf den Trank kommt es an, sondern auch auf das Glas, das ihn zusammen hält. Zum Unterschied, zur Vielfalt der Getränke trägt auch bei, ob diese perlen, schäumen oder ganz einfach wie ein Glas Wein ruhen.

Doch die Farbe im Glas, in Schach gehalten durch elektronische Spannungsfelder, herrührend von Dioden auf verschiedenen Seiten und im Boden der Halterung, rührte sich nicht. Im unwegsamen Gelände molekularer Grundlagenforschung war die Flüssigkeit in Bewegungslosigkeit versetzt, um so unter den Mikroskoplinsen den Weg weiter in einen urwüchsigen Irrwald zu weisen. Was da um den stillgelegten Saft empor stieg, das Mikroskop umgab und in verschiedene Richtungen auseinander ging, bildete das Zentrum der Forschungsanstalt, ein Gerippe, das vom fleischigen Geist belebt, dem Unbekannten im kleinsten Bereich, das der Mensch technisch zu erfassen vermag, menschliches Leben einhauchte und darum dem Menschen sichtbar wurde.

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