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le Diskussion

„Du meinst also, dass die Inkohlung der Sätze zu Zitaten zeitlich nicht immer festgesetzt werden kann?“

Es gibt Zitate, die niemandem zugeordnet werden können.

„Ich sehe. Die Stahlarbeiter der Exegese sind rechte Wühlmäuse. Dein fast serielles Herableiern von Zitaten zeigt, was in den Bergwerken des Literaturapparats geleistet wird. Da wird fleissig an den buchgewordenen Ablagerungen des schreibenden Geistes in der Hoffnung gekratzt, dass man auf das ganz spezielle Kleinod trifft und den sinnschwangeren Diamanten dann als immateriellen Höhenflug dem Geist zuführt, so dass dieser ein weiteres Mal zu neuen Horizonten abheben kann.“

Du übertreibst etwas. Deine komplizierte Satzkonstruktion enthüllt die Schroffheit deines Gedankens. Ein Zitat vermittelt Bodenhaft. Wer sich an einem Zitat hält, der stellt seine Rede auf zwei Beine.

„Das weiss ich nicht so recht! Ich will weiter an deinen Erklärungen und Behauptungen ziselieren. Vielleicht werden sie dadurch greifbarer und auch wertvoller. Es ist, wie wenn ich Kohle bearbeite, so dass sie in den Ofen passt. Im Ofen erst wird sie urbar für den Menschen, auch wenn sie dabei verbrennt. Im Gegensatz zur Kohle ist das Zitat erneuerbar. Das Ganze mit deinen Zitaten ist mir nämlich ganz gewaltig ein Labyrinth. Du hast kürzlich von übersichtlichen Strassenplänen gesprochen. Was ich aber jetzt von dir höre. gemahnt mich eindeutig an Venedig, wo man nichts anderes tun kann, als sich im Strassengewirr zu verirren.“

Der Bergbau folgt den Vorgaben der Natur und nicht den Vorstellungen eines Architekten wie gegebenenfalls der Städtebau. Der Zitatenabbau folgt den Regeln des Bergbaus. Darum ist es wichtig, dass Ordnung in die Zitate gebracht wird.

„Ja, Ordnung wie im Ruhrpott. Dort haben sie ihren Boden beim Abbau der Kohle derart ausgehöhlt, dass er zusammenfällt. Und wenn dort nun das Wasser hineinfährt, dann wird es aus dem Gebiet ein zweites Venedig geben, weil dann vieles unter Wasser steht. Genau so zum Versaufen ist dein Abbau von Zitaten. Das Wasser steht mir schon bis zum Hals und nur an der Flasche kann ich mich aus diesem Wasser hinaus ziehen.“

Du musst Halt in den Zitaten suchen. Das Wasser zieht dich nur tiefer hinab.

„Es liegt in der Natur der Dinge, dass dein Vortrieb mir keinen Auftrieb gibt. Du wühlst dich in die Kanäle und Gänge der Bibliotheken. Pass nur auf, dass dir der ganze Bücherberg nicht auf einmal über dem Kopf zusammenfällt. Das gibt dann einen rechten Buchstabenstaub ab. Der wird dir wie Kohlenstaub in die Nase steigen und dir statt dem Zitieren das Niesen beibringen.“

Lasst das Ruhrgebiet zu einem neuen Venedig werden und der Ordnung, die der Natur folgt, ihren freien Lauf. Lass das Wasser die Herrschaft über die vom Menschen geänderte Geographie übernehmen. Auch wenn das Ruhrgebiet wegen seiner Unterhöhlung absauft: Die Zitate werden inselgleich über dem Wasser bleiben. Aber eines musst du selber tun. Bau deinen Widerstand gegenüber den Zitaten ab. Die werden dir bald wie Oliven schmecken.

„Bei all dem Gerede könnte auch ich einmal ein Zitat zum Besten geben. Irgendetwas mit Oliven und Ordnung. Vielleicht stösst im Steinbruch des unermesslichen Literatenbetriebs irgendein fleissiger Digger auf meinen Satz. Der Mann wird den Satz ins Sezier- und Siebwerk der literarischen Wertschröpfung – meinte: Wertschöpfung eintragen, welches dann mein Werk in den Olymp des zeitlosen Sprachschatzes hebt. Möglicherweise muss ein Steinmetz etwas nachhelfen, damit mein Zitat in deinen Zitatenschatz weiter findet. Das kannst dann du übernehmen. Ich meine: Dem Zitat seinen letzten Schliff verpassen.“

Fortsetzung

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