sch-ach-ld

ld Worte

„Dein Zitatenschatz ist doch nichts anderes als eine grosse Tasse, ein Pott, im welche die Blasiertheit ihre Kelle senkt und Weisheit für Weisheit heraus schöpft und sich damit selber schmückt. Wenn eine Frau mit viel Schmuck daher kommt, dann ist es ja beruhigend, wenn unter all dem Klunker etwas Schönes hervor kommt. Aber zuvor muss der entfernt werden. Mir scheint, dass alle deine Zitate das Reden zu einer Kurtisane machen. Ich will aber nicht zu viel schimpfen. Denn deine Oliven und deinen Weinkeller, also, die möchte ich nicht missen. Aufraffen kann ich mich aber gar nicht, um einen Blick auf deine Bücherwand zu werfen. Dort wirst du ein rechts Bergwerk an Literatur verstaut haben. Wenn du so für dich dahin redest, und natürlich auch für mich – deinen Einsatz für meine Weiterbildung will ich nicht gering machen, wenn du also so für dich und mich dahin redest, dann habe ich das Gefühl, wie ich dir zuhöre, dass du einen rechten Bergbau im Literaturbereich betreibst.“

Zitate entdecken und einordnen und somit sammeln ist harte Arbeit.

„Das erinnert mich an die Kumpel, welche in der Erde nach verwertbarem Gestein graben, nach Kohle und Diamanten und was sonst noch dem Menschen Freude machte. Der Zitatenschatz lässt mich an ein ganzes Heer von Literaturwühlern denken, welche in den Büchern nach brauchbaren Sätzen, sogar nach edlen Sätzen graben, die wertvoll wie Smaragd und Kristall die Ausführungen von mehr oder weniger bedeutungsvollen Reden schmücken, so dass in diesen weiter nach Zitaten gegraben werden kann. Der Kumpel gräbt nach dem schwarzen Gold, der Bücherwühler nach dem literarischen Gold. Eine neue Frage stellte sich: Ist Literaturabbau Tagbau oder Untertagarbeit?“

Das ist eine sehr gute Frage. Jener, der bei schönem Wetter auf einer Bank sitzt und dabei ein Buch liest, dieser betreibt Tagbau. Er konzentriert sich auf ein Buch. Die Zitate kommen aber aus dem in Jahrzehnten und Jahrhunderten, ja Jahrtausenden zusammen gestampften und verfestigten Boden der Literatur. Das mit deinem Bild vom Bergbau ist nicht weit her geholt. Das Suchen nach Zitaten gestaltet sich eher als Untertagarbeit. Im hellen Tageslicht übersieht man einen gedankenvollen Satz leicht.

„Ja, und du hast ein schönes Tempo mit deinem Bagger, der sich durch die Bücherwände frisst und Zitat für Zitat aus dem Papierberg heraus holt. Aus dem Bergwerk der kompostierten Literatur quasi. Da hat sich seit der Steinzeit viel abgelagert. Welches ist eigentlich das erste Zitat, das überliefert wurde?“

Die Sedimente der literarischen Ablagerungen in der Geschichte der Menschheit sind vielschichtig. Wenn du auf eine Ader mit Zitaten triffst und diese abbaust, dann tut sich garantiert in der Nähe eine weitere auf. Im Bergbau ist es genau so: Wenn man einen interessanten Gesteinsgang gefunden und offen gelegt hat, dann wird sich ein weiterer in der Nähe verbergen. Die Steinadern gehen in allen Richtungen davon. Grosse Kenntnisse sind nötig, um sie zu finden. Einmal gefunden, geht dort das Graben weiter. Welche von den Adern die Älteste ist? Das heraus zu finden, bedarf grossen Wissens.

Fortsetzung

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sch_ach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s