sch-ach-kz

kz Worte

Eine weitreichende Kenntnis vor Zitaten ist durchaus erstrebenswert. Man kann dann aus dem Vollen schöpfen. Die Sammlung muss aber immer mit Samthandschuhen kontrolliert werden. Denn niemand geringerer als der Schriftsteller Albert Camus warnt: „Äussere Ordnung ist oft nur der verzweifelte Versuch, mit einer grossen inneren Unordnung fertig zu werden.“ Sein Landsmann Jean-Paul Sartre hat dieses Gefühl existentialistisch auf die Spitze getrieben. Er ruft uns zum Aufräumen auf. Ein Beispiel ist der Titel seines Buches „Das Alter der Ordnung.“ Im Original heisst der Titel: „L’âge de raison“. Vernunft und Ordnung geben sich ein Rendez-vous. Man wird anscheinend alt, wenn dieses Paar zusammen findet. Mir fällt auf, dass im Zeitalter der Vernunft die französische Sprache nicht über einen eigenen Begriff verfügt, der die deutsche „Ordnung“ adäquat wiederzugeben vermag. Aus dem deutschen „Ordnung machen“ macht der Franzose ein „fair le menage“. Es wäre böse von mir zu behaupten, Frankreich schiebe die Ordnung in die Manege ab.

„Sei nur bös. Mit mir bist du es bereits. Du tatest deinen Ausflug in die französische Sprache übrigens nur um des Reimes willen. Der Franzose sagt auch: mettre de l’ordre. Das sei als Olive in deinen Zitatenschatz hinein geworfen. Was bietet dein Zirkus noch?“

Ein weiteres Feld öffnet in dieser Untersuchung der Ordnung der Erzähler und Lyriker Carl Ludwig Schleich. Er erschliesst den Bereich der Religion mit der Aussage „Aberglaube ist die Form der Ehrfurcht, die selbst den Zufall als eine Anordnung höherer Mächte anerkennt.“ Im Grund liesse sich noch vieles zur Ordnung sagen. Dieses Traktat will nicht erschöpfend sein. Die schon genannte Helga Schäferling weiss, wie man all diesem Zitieren das Wort nimmt und eine Ende bereitet: „Ordnung muss sein, sagte der Verstand und legte Gedanke für Gedanke in Schubladen ab.“

Darum: Genug zitiert. In diesen Schubladen sollen die Zitate liegen bleiben. Es ist nicht statthaft, Seite für Seite mit Zeilen aus nichts anderem als Zitaten zu füllen. Sie sollen liegen, bis sich eine bessere Verwendung für sie findet. Zitate gibt es so viele. Mit ihnen lassen sich ganze Bücher füllen. Diese Bücher müssen wie eine Buchhaltung genau geführt werden. Eine solche erträgt keinen Fehler Die Mathematik untersagt ihr Ausrutscher.

Genauso verhält es sich mit einem Zitat. Es muss Wort für Wort wiedergegeben werden, was ursprünglich in die Zeile gesetzt wurde. Was ist ein Zitat, das sich nicht an seine ursprüngliche Form hält? Ein Irrläufer! Ausdruck der Geringschätzung eines Autors! Ein Autor entwickelt in seinen Sätzen einen eigenen Ton. Ein Zitat, mit abgeänderten Worten fahrlässig und somit falsch wieder gegeben, auch wenn es ausserhalb seines Heimattextes für sich allein auf ein Blatt gesetzt wird, stimmt nicht mehr mit dem Ton des ursprünglichen Textes überein. Der eben gelesene Satz ist so gut, dass er durchaus das Format eines Zitates besitzt und vielleicht sogar als ein solches tauglich der Nachwelt übergeben wird.

Fortsetzung

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sch_ach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s