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ks Friede

Der Schreibtisch, Tummelplatz von zahlreichen Gedankenschiebern, welche das Papier als Erinnerungsstütze für das selbst Gedachte auserkoren haben, ist, herausgefordert durch die Ordnung nicht der eigenen Gedanken, sondern jener auf der Schreibfläche, ein immer wiederkehrendes Motiv.

Kaspar Giger fuhr auf und dazwischen: „War das auch ein Zitat? Ein derartig tollwütiger Satz kann nicht von dir sein, Otto! Du gerätst aus deiner Ordnung, wenn du so zu sprechen beginnst.“

Das Büro ist ein ganz exquisiter Raum, was die Ordnung betrifft. Mein Schreibpult halte ich mit der Ordnung in Einklang. Der Ordnung gilt mein Einsatz. „Manche Unterlagen in meinem Büro demonstrieren ihre Vitalität damit, indem sie von dort, wo ich sie meines Wissens nach hingelegt hatte, dorthin wandern, wo ich sie nicht mehr finden kann“, warnt schon der Aphoristiker und Publizist Willy Meurer. Ein viel zitierter, unbekannter Autor prägt den subtilen Satz: „Ein Schreibtisch ist eine komplizierte Vorrichtung, um Gegenstände planmässig zu verlegen.“ Eine Feststellung, welcher der Fernseh-Moderator Lembke Robert nur beipflichten kann: „Ordnung ist ein Durcheinander, an das man sich gewöhnt hat.“ Und in den Worten Sigmund Freuds: „Was anderen als Unordnung erscheint, ist für mich historisch gewordene Ordnung”

Sollte auf einem Schreibtisch wider all dieser Erkenntnisse dennoch Ordnung herrschen, dann rät der Schauspieler Ugo Tognazzi in wirklich bösartiger Manier: „Über dem Schreibtisch eines Chefs, der an Ordnungsfimmel leidet, montiert man am besten einen Ventilator.“

Es gibt weitere Reizwörter, welche den Kontakt zur Ordnung literarisch nicht lassen können. Chaos und Ordnung ist ein Paar, das in ganz verschiedenen Kleidern daherkommt: „Gott schuf die kosmische Ordnung. Als er erkannte, dass auch das Chaos seinen Platz darin finden muss, erwählte er den Menschen zum Mitschöpfer“, schreibt die Solzialpädagogin Helga Schäferling zur Weltschöpfung. Der Aphoristiker und Autor Michael Bussek legt dem Paar folgendes Band um: „Erst die Ordnung macht das Chaos komplett.“ Des Schriftstellers Arthur Schnitzler Bescheid: „Ordnung ist etwas Künstliches. Das Natürliche ist das Chaos.“ Oder dann klipp und klar, wie es der Historiker und Kulturphilosoph Henry B. Adams formuliert: „Einfach ausgedrückt, Chaos ist das Gesetz der Natur, Ordnung ein Traum der Menschheit.“ Psychoanalytisch C. G. Jung dazu: „In jedem Chaos ist ein Kosmos, in jeder Unordnung, eine geheime Ordnung.“ Mit einer feinen Nuance umgibt die Schriftstellerin Christa Schyboll das Paar: „Kreative Differenzen eignen sich hervorragend dazu, im bestehenden Chaos erste zarte Ordnungsstrukturen zu erkennen.“ Der Philosoph Theodor Ludwig Wiesengrund Adorno schlägt ebenfalls die Brücke zur Kreativität: „Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen.“

Weitere wunderbare Gedankengänge werden dem Paar mitgegeben. Sie wirken fast als Geschenke: „Zeiten der Ordnung sind die Atempausen des Chaos“ etwa, gegeben vom Autoren Walter Hilsbecher. Der Phantasy-Schriftsteller Terry Pratchett prägt den Satz: „Das Chaos besiegt die Ordnung, weil es besser organisiert ist.“ Geradezu spitzbübisch gestaltet sich folgendes Band, überliefert vom Aphorismensammler und Publizisten Peter E. Schumacher: „Die Ordnung folgt dem Zufallsprinzip, das Chaos dem Ordnungsprinzip.“ Wie an das Grab des unbekannten Soldaten legt ein Unbekannter den Spruch hin: „Ordnung ist die Form von Chaos, an die man sich gewöhnt hat.“

Fortsetzung

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