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„Dein Wissen lässt mich einfach immer wieder perplex. Also, ich kann einfach nicht anders, als mit einer neuen Olive auf diesen, wie hiess er schon, Clauswitz anstossen. Vielleicht finde ich in meiner Schüssel eine kleine. Diese wird deiner Disziplin am besten bekommen, denn grosses halte ich von dieser nicht.

Er war ein preussischer General. In seinem Oeuvre ist das Wort Ordnung ein regelmässig wiederkehrender Begriff. Ein weiterer Deutscher stellte zum Lieblingsthema des Preussen ganz knapp fest: „Ohne Ordnung kein Krieg.“ Der Satz stammt von Bertolt Brecht. Das war kein General und auch kein preussischer Militärtheoretiker.

Die Ordnung hat weltweit zu einem ganzen Sammelsurium von Gedankengängen geführt. Sie haben ihren Abdruck in Sprüchen wie „Ordnung ist, wenn man etwas findet, was man gar nicht sucht“, „Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen“ und „Wo ein Geheimnis ist, da ist etwas nicht in Ordnung“ gefunden – und eben in Zitaten. Kaum eine Berühmtheit, die nicht etwas Zitierwürdiges zur Ordnung gesagt hat. Unermesslich ist der Zitatenschatz der Menschheit.

„Du wirst mir hoffentlich diesen ganzen Schatz nun nicht um die Ohren schlagen! Tu mir das nicht an! Ich weiss, dass dein Wissen unermesslich ist und dass ich nicht über genügend Oliven verfüge, heute, um deinem Wissen mit einem Gegengewicht begegnen zu können.“

Schon nur die Ordnung füllt ganze Seiten. Bei einem ungeübten Leser führt diese Masse zu Kopfweh. Zitate über die Ordnung gibt es in den verschiedensten Zusammenhängen. Es fallen Worte über Pedanterie, Existenz, Moral, Schreibtisch, Verzweiflung, Reformen, leere Tuben, Kreativität, Unterdrückung, Übersicht, Macht, Mut und natürlich über das Chaos. Wo soll in dieser Vielfalt der gemeinsame Nenner der Ordnung liegen? Dazu lässt sich nur sagen: „Bester Herr, bringt einige Ordnung in Eure Reden“. Das meinte beispielsweise ein gewisser Güldenstern zu Hamlet. Ordnung in die Vielzahl der Zitate über die Ordnung zu bringen, ist ebenfalls eine hehre Aufgabe.

Denn das muss gesagt sein: Gewisse Zitate sind rein nur schon eine Herausforderung in dem, was sie sagen wollen. So schrieb die Raumplanerin Martina Koll-Schretzenmayr: „Rechtssysteme zielen auf die Festsetzung einer Ordnung, deren Inhalte in einem Rechtsstaat auf die Freiheit und Unverletzlichkeit des Individuums und die Wahrung des Allgemeinwohls abgestimmt sind. Das Allgemeinverständnis der staatlichen Rechtsordnung geht von deren Dauerhaftigkeit aus.“ Enrico Di Robilant formulierte: „Dynamische Ordnungen im Gegensatz zu statischen Ordnungen sind Prinzipienordnungen, die hauptsächlich aus gewählten Prinzipien bestehen und nicht aus einzelnen von einem Gesetzgeber auferlegten Gesetzen oder Befehlen.“

Man wird einwenden: Diese Beispiele sind einem ganz bestimmten Fachgebiet wie Politik oder Physik zuzuordnen. Aus dem Zusammenhang gerissen, sind sie schwer verständlich. Eingeweihte werden hingegen auf den ersten Blick verstehen, was gemeint ist. Sie können auf ein akribisches Sezieren des Bedeutungsgehalts verzichten. Aphoristiker bieten zuweilen bemerkenswerte Konstrukte an. So der Bayer Peter Rudl: „Betrachtet man allein das allenthalben beobachtbare Gesetz der Entropie, so muss einem klar werden, dass alles auf maximale Unordnung, Desintegration und Selbstzerstörung angelegt ist. Kontingente Phänomene wie unsere Welt sind mikrokosmisch kleine, kaltblütige Effloreszenzen eines zutiefst bizarren und universell geltenden, freilich atemberaubenden Zerfalls.“ Auch dieses Zitat hat was mit Ordnung zu tun. Die vielen Wörter geben dem Zitat aber eine Schwere, in der die Ordnung untergeht. Weniger wäre mehr gewesen. Von Johann Wolfgang von Goethe findet sich die folgende Betrachtung in einschlägigen Werken: „Und diese Aussagen haben alle mit dem Begriff Ordnung zu tun. Das ist bemerkenswert. Ordnung ist dem Menschen ein ganz dringendes Bedürfnis. Das könnte man meinen.“ Die beiden letzten Sätze hätten genügt. Der deutsche Aphoristiker Joachim Panten formulierte spitzt: „Viele Zettel verderben den Überblick.“ Eine klare Aussage.

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