sch-ach-kl

kl Haare

„Eh, in deinem Spiel mag es durchaus sein, dass sich ein Fehler nicht befruchtend auf den weiteren Verlauf des Spiels auswirkt. In der Wissenschaft ist das ganz anders. Da ist es unter Umständen ganz gut möglich, dass sich aus einem Fehler, einer Fehlinterpretation, eine ganz neue Sache entwickelt, die sich als richtig erweist. Du hast das Falsche verstanden und das Richtige daraus geschlossen. Solches nennt man einen Geniestreich. So unterscheidet sich die Wissenschaft von deinem Schach. Und ein zweiter Punkt ist: Man darf nie etwas glauben. Wenn dir jemand sagt, das ist so und so, dann verwirf es wie den Sand am Meer. Erfahrene Wissenschafter entwickeln ein Fingerspitzengefühl für das Wahrhafte an den Dingen. Sie wissen, wann sie einer Aussage trauen dürfen und wann sie die Finger von ihr lassen sollen. Dafür gibt es ein ganz berühmtes Beispiel. Zu Kolumbus Zeiten gab es gängige Lehren zur Form der Erde. Damals gingen die allermeisten Menschen davon aus, dass die Erde flach ist. Wenn sie, wie einige behaupteten, rund ist, wäre das Wasser wie an einer Kugel abgeflossen. Der Glaube war stark. Das ist logisch. Von der Gravitation wusste man nichts, von Naturgesetzen wollte man auch nichts wissen. Die Ungläubigen trauten ihren Augen nicht, die das Meer an seinem Horizont als Bogen zeigten. Heute weiss jedes Kind um die Kugel Erde, und dass die Berge hinter dem Horizont versinken, bereitet ihm keine Mühe. Nun, damals hat sich bekanntlich einer in den Kopf gesetzt, dass, falls die Erde rund ist, er mit einem Schiff der Sonne über dem Meer nachsegeln kann. Er ging davon aus, dass der Westweg über das Wasser ans gleiche Ziel wie die Ostroute über das Land nach Indien führt. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Ich denke, dass auch wir heute mehr ins Meer hinaus segeln sollten und in unseren gedanklichen Fahrten erkunden müssten, was die Wissenschaften uns noch nicht aufgedeckt und ausgeleuchtet haben. Hinausfahren, das sichere Ufer verlassen und neue Welten entdecken. Das sollten wir mehr tun. Das will ich tun.“

„Ich kann dir nicht folgen.“

„Das denke ich mir auch. Ein Schachbrett ist ein recht kleines Feld und ein sicherer Hafen für den, der sich in seine eigene Welt vertieft. Die Entdeckungen, die uns weiter gebracht haben und von welchen wir wie der Rest der Welt auch profitieren, machen sich ausserhalb des Schachbrettrands.“

Fortsetzung

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