sch-ach-kk

kk Krach

Der andere hielt sich an das, was er sah, und rasterte die Ebene wie auf einem Schachbrett aus. Er kam zu keinem Ergebnis. Keine Strasse, kein Berg, kein Flecken fügte sich harmonisch in die Vorlage ein.

Für beide Männer gestaltete sich der Grat als ein Weg aus Stein und Fels. Ein unachtsames Gehen führte unweigerlich zu einem verstauchten, wenn nicht gar gebrochenen Fuss.

Aus diesem Grund sassen die beiden Herren im Gras, wo sie ihren Gedanken nachhingen. Sollte das Wetter umschlagen, befand sich im Hintergrund, aber dennoch in grosser Nähe das Bergrestaurant als sicherer Zufluchtsort. So konnten die Beiden, ungeachtet der heimtückischen Klippen, die der Berggrat barg, Klippen, die an gefährlichen Stellen schon manchen Berggänger ins Grab befördert hatten, ihren Gedankengängen folgen und aus Krummen Geraden biegen und wo es anstand, die Gerade zur Krumme reden. Das Schachbrett leistete dabei nur geringen Widerstand.

„Schau, mein Freund, heute hat die Menschheit zu Erkenntnissen gefunden, die auf den ersten Versuch hin nicht zu verstehen sind. Du stellst einen Computer an. Was du auf dem Bildschirm siehst, ist voll von Farben und Bewegungen. Was du siehst besteht eigentlich nur aus Negationen und Bejahungen. Die Computersprache, die ich nicht, aber der Computer versteht, besteht aus zwei Zeichen. Wenn wir zwei uns ausschliesslich mit Worten unterhalten müssten, die nur aus zwei verschiedenen Buchstaben bestehen, dann würde das zu endlosen Gesprächen führen, weil diese Wörter eine beängstigende Länge annähmen. Die vierundzwanzig Buchstaben unseres Alphabets machen es möglich, viele kurze Wörter zu benützen. Ein Beispiel: Nimm das Wort – nun schlag schon eines vor – sagen wir mal: Berg. Unser Alphabet braucht vier Buchstaben, um diesem Wort eine Bedeutung zu geben. Ein Computer, sag mir, braucht wie viele Zeichen, um dieses Wort wiederzugeben? Es werden mehrere Dutzend sein. Nicht nur die Sprache, die der Rechner braucht, um Bilder in den schönsten Farben auf den Bildschirm zu zaubern, ist für viele ein Buch mit nicht zwei, sondern sieben Siegeln und gleichzeitig ein Sieb, wenn es darum geht, etwas, was man gelernt hat, im Kopf zu behalten. Heute gibt es eben auch so viele schöne Lehren, die um Halt in diesem Sieb buhlen.“

„Das ist alles schön interessant“, erwiderte der andere auf dem Grat mit Blick auf die Ebene. „Aber all diese schönen Lehren – muss ich sie kennen? Nein. Du weichst dem Konkreten aus und verlierst dich im Abstrakten. Lehren und Theorien gibt es so viele wie Menschen. Das ist ein verlorenes Feld.“

„In diesem Fall muss ich deiner Meinung natürlich Sukkurs leisten. Es gibt Theorien zu allem und zwar so viele wie Sand am Meer. Jeder Mensch hat eine ganze Handvoll und mehr davon und wirft sie  als faustgrosses Packen wild um sich, ganz als befände er sich an einem Strand und würde seine Hände immer wieder in den Sand tauchen und diesen aufwerfen. Als würde er diesen säen. Und diese Theorien wiederum sind ein beliebiges Interpretationsfeld, und aus all diesen Interpretationen folgen wiederum neue Theorien. Das Wunderbare an der ganzen Geschichte ist, und in dem Fall wirst wiederum du mir beipflichten müssen: Aus all diesen Interpretation kann sich ergeben, dass sie alle falsch sind, weil nämlich die ursprüngliche Darlegung falsch verstanden wurde.“

„Du magst ja recht haben. Auch im Schach kann es vorkommen, dass wirklich nicht nachvollzogen werden kann, warum der Gegner einen durchaus unnützen Zug getan hat. Aber so etwas gibt es auch im Schach.“

Fortsetzung

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