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ki unsere

„Die vernünftigen Bahnen, mein Lieber, liegen da unten im Tal und über dem Tal und in dem, was sich erahnen und erdenken lässt. Die Wissenschaft wird zur Kunst. Man muss in sie hinein sehen und sehen, was man nicht sieht, auf den ersten Blick. Der Name dieser Ebene gefällt dir nicht, die gekrümmte Kurve. Du musst hinab tauchen in diese Ebene und sehen und entdecken, was sie dir im Licht der verschiedenen Erkenntnisse offenbart, die sich der Mensch im Lauf seiner Forschungsgeschichte angeeignet hat. Offenbaren – ein grosses Wort, aber auch eine grosse Wirkung. Man kann die Berge lange ansehen, wenn man hier sitzt und sie anguckt. Sie verändern sich nicht. Wenn man sich aber bewegt, erhalten sie eine andere Gestalt, die Berge, die an und für sich feste Punkte sind in der Welt, die uns umgibt. Die Bewegung verändert, verändert die Beziehung zum betrachteten Gegenstand. Das ist eine neue Erkenntnis aus dem vorherigen Jahrtausend. Sie ist Bestandteil der Relativitätstheorie. Das verflossene Jahrtausend hat beide Erkenntnis gebracht: Es gibt fest berechenbare und beschreibbare Prozesse. Diese sind aber abhängig von der Perspektive. Diese Erkenntnis rechtfertigt es zur Genüge, dass die Ebene vor uns die gekrümmte Kurve genannt werden darf. Eine bestimmte Betrachtungsweise gestattet es, da unten eine krumme Kurve als Gerade zu sehen. Es hat mit Gravitation zu tun. Das ist der Name einer Kraft. Die Gravitation wirkt auf das Licht, das wir sehen. Sie vermag eine Krümmung gerade zu biegen und eine Gerade zu krümmen. Das musst du zugeben: Eine erstaunliche Leistung. Das ist eine erstaunliche Sache. Wenn man so in dieses Tal hinunter blickt, wer käme da schon auf den Gedanken, dass es mit der Gravitation so eine eigenartige Bewandtnis hat. Man kann sich das eigentlich gar nicht vorstellen. Die neuen Erkenntnisse, welche die Wissenschaften uns erschliessen, sind absolut verwirrend und zugleich faszinierend. Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Quanten, die Lichtteilchen, die Teilchen, welche das Licht übertragen, sich nicht so verhalten, wie wir es berechnen möchten. Sie sind unberechenbar und gebärden sich entgegen aller Gesetze, welche diese Ebene traditionell etwas statisch beschreiben. Sie gebärden sich nicht wie etwas, das nach immer den gleichen Gesetzen auszusehen hat. Die Krummen werden gerade, die Geraden krumm. Die Welt bewegt sich. Die Wissenschaft wird geradezu zur Kunst, die nicht zeitgenössisch ist. Zu einer Kunst, die wir aus vergangenen Epochen kennen, als Bilder gemalt wurden, die nicht etwas Konkretes darstellten, sondern Raum liessen für verschiedene Interpretationen. Du sahst ein Bild und konntest das, was du sahst, zu verschiedenen Interpretationen zusammensetzen. Die Franzosen kennen, um diesen Vorgang zu beschreiben, das Wort sublime. Verschiedene Schichten liegen übereinander und gestalten ein Ganzes, das stückweise wieder auseinander gekommen werden kann. Dein Schach dagegen besticht durch seine klaren Linien. Es entspricht einer Art von Ruckzuckzackzackkunst. Klare Linien, klare Worte. Du hast keine Möglichkeit, der Aussage zu entkommen. Du hast die klare Linie, die abstrakte Kunst von heute. Die Ebene da unten hat keine klaren Linien und heisst darum die Ebene der gekrümmten Kurve, um jene, die sich der abstrakten Kunst verschrieben haben, darauf hinzuweisen, dass eine Krumme auch gerade sein kann. Das merke ich zu deinem Schachspiel an.“

Wilhelm Schnepfensskorn hielt inne. Kabar Extas meinte: „Du bist beleidigend und hast zudem keine Ahnung von Schachspiel.“

Fortsetzung

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