sch-ach-kh

kh Deinung

Vorne, am Grat, wo es scharf zum Tal hinunter geht, und die Sicht in die Weite nicht durch einen gegenüberliegenden Berg oder Bäume verstellt wird – auf dieser Höhe wachsen keine mehr –, befanden sich, im Grunde ungestört, weil niemand durch seine aufdringliche Nähe den beiden aufsass, Kabar Extas und Wilhelm Schnepfensskorn.

„Das kannst du von der Fahnenstange sagen“, meinte ersterer, „aber nicht vom Schach. Der Blick ist beim Spiel zwar streng auf das Brett gerichtet. Der Spieler sieht nicht zur Seite. Er hat aber keine Scheuklappen an. Wovor sollte er sich scheuen? Das frage ich dich. Er ist im Spiel.“

„Er ist mir ein rechtes Arbeitspferd, der vor den Karren gespannt ist und nicht links und nicht rechts schauen darf.“

„Nun halt mal an!“, kam es scharf vom Nachbarn. „Wenn du das Pferd einen Gaul nennst, dann hast du nichts und wirklich rein gar nichts vom Schachspiel verstanden.“

„Das Pferd springt über die anderen Figuren. Aber sonst hat es alles von einem Gaul. Gaul bleibt nur mal Gaul, auch wenn der Mensch das Tier vermenschlicht. Aus einem Tier wird nie ein Mensch. Kein Tier wird sehen, was der Mensch sieht. Zur Rettung des Pferdes muss ich anfügen, dass es auch Menschen gibt, die nicht alles sehen können, was der Mensch zu sehen vermag.“

„Wie schön du das sagst. Du hast eine Neigung zum Philosophieren. Die Philosophie ist eine ebenso wenig klare Wissenschaft wie das Reden über dieses Tal mit dem auserlesenen Namen, den du ihm gegeben hast.“

„Dein Brett greift nicht tief in das hinein, was der Mensch alles wissen kann. Es ist ein schönes, kleines und abgeschirmtes Feld. Die Ebene dagegen, da unten, wie sie vor uns weit und breit hinaus läuft, zuweilen von Hügeln eingegrenzt wird und dann wieder frei davon schwimmt wie eine Lehre, die völlig unbelastet ist von jeder Gehirnwäsche und von wirren Gedanken, die aus weiss ich welchen Quellen zusammengedrechselt wurden –  diese Ebene verdient ihren Namen. Ja, einerseits wird sie von Hügeln zusammen gehalten, die vielleicht die Namen von wahrhaften Bergen tragen, die aber von unserer Warte aus gesehen trotzdem klein erscheinen. Andererseits öffnet sie sich über den See hinaus, verliert sich im Horizont und schmilzt dort zusammen mit Himmel und Erde.

Angenommen: Wir würden uns hier nieder setzen und nicht mehr stehen, in dieses Gras vor uns ein Schachbrett legen, sitzen, so dass wir es besser sehen können, dann würde unser Blick, weg vom Spiel auf dem Brett, hinaus in die Ebene gehen. Angenommen, wir würden alles, von dem wir gehört haben, von dem wir aber vorgeben, es nicht verstehen zu können, auf uns einwirken lassen, so dass es aus uns heraus in die Ebene, die wir sehen, hinein wirkt, dann, dann würde uns das, was uns in der physikalischen Sicht der Welt so fremd scheint, nicht mehr fremd sein.“

„Wie immer sieht du zu weit. Du siehst Windmühlen und erkennst sie nicht. Schau in die Nähe und du wirst dich nicht in den Weiten des Wissens verlieren und dabei verrückt werden. Du solltest dir mehr sagen: Ich spiele Schach. Ich stehe mit beiden Füssen auf dem Boden. Das würde dich auf vernünftige Bahnen führen.“

Fortsetzung

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