sch-ach-ke

ke deine

„Auf das kommt es nicht an. Es kommt darauf an, was man sieht. Und dann folgt die Benennung.“

„Eine gerade Kurve sehe ich trotzdem nicht.“

„Wir stehen nun mal da oben und sehen hinunter. Ich denke, wir müssen uns Zeit nehmen und hinunter blicken und das, was wir sehen, auf uns wirken lassen. Und dann, mit der Zeit, wird uns, also vielmehr dir, aufgehen, warum diese Ebene ganz richtig auch die Ebene von der krummen Kurve heissen darf.“

„Ja, sicher, ich verstehe, durch das lange Gucken wird man irr und darum werden die Kurven krumm, oder vielmehr: Man sieht sie krumm. Oder vielmehr: Ich sehe sie krumm, während du sie gerade sieht. Das ist Wissenschaft.“

„Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen und genau das beschrieben, was du siehst. Du bist ein Wissenschafter.“

„Dieses Lob hab ich von dir, an mich gerichtet, noch nie gehört. Es muss etwas daran sein, wenn du das sagst.“

„Ja, aber du bist nur zum Teil Wissenschafter. Denn du vertiefst dich zu sehr in diese krummen Kurven, die wir da unten in verschiedenen Gewässern erkennen können und auch auf Bergrücken. Du nimmst die Details heraus und siehst das Ganze nicht mehr. Das Ganze ist gross und wunderbar. Schau dir nur die Hügel dort unten an. Sogar im Sommer sehen sie aus, als würden sie wie im Herbst aus dem Nebel steigen. Es muss Dunst haben, drunten. Der See, dort, glitzert, als wäre es Winter und er schneebedeckt. Die Landschaft fügt sich zusammen wie ein blühender Kirschbaum in der Frühlingszeit. Siehst du, mein Lieber, alle vier Jahreszeiten liegen vor uns. Warum soll in all dieser Herrlichkeit nicht auch noch eine krumme Kurve vorkommen?“

„Du bist ein Romantiker. Du siehst alles verdreht. Wie soll ich da mit dir Schach spielen? Auf dem Brett sind die Kurven gerade und nicht krumm. Ach was! Du bringst mich durcheinander. Auf dem Schachbrett sind alle Geraden gerade und nicht krumm. So sein Unsinn. Wenn man dir zuhört, wird man geradezu – wie soll ich sagen – durcheinander.“

„Das verstehe ich: Falls du da unten nur völlig klare Linien siehst, dann bringt mich das auch völlig durcheinander. Aber da unten ist alles so klar, du siehst es nur nicht. Und ich habe Klarsicht. Darum darf diese Ebene wirklich die gekrümmte Kurve heissen. Denn, mein Freund, bei aller Klarheit, jede Kurve ist nicht krumm. Da ist zunächst einmal die Sache mit der Perspektive. Zeichner haben damit herumgespielt. Jener mit der ewigen Treppe hat Geraden gezeichnet, die krumm wirken. Nimm nun in unserer Ebene den Fluss, dort, jenen, den geraden, oder vielmehr, dort, jenen, der als gerade Linie erscheint. Es könnte durchaus sein, dass er eine lange Krümmung bildet, aber uns wie eine Gerade vorkommt, weil der Hügelzug, der sich ihm entlang zieht, möglicherweise eine Krümmung bildet. Das nennt sich eine optische Täuschung. Wenn wir lange genug hinunter sehen, werden wir vielleicht noch ein paar weitere von diesen Linien entdecken. Guck die Bergkette am Horizont an: Wer käme schon auf die Idee, dass sie auf einer Krümmung liegt, der Erdkrümmung. Die Bergkette steht nicht auf einer ebenen Fläche, sondern auf einer gekrümmten, bekanntlich, dem Erdkreis.“

„Du könntest die Ebene auch buntes Huhn nennen und dann aus der Ebene lesen und deuten, warum sie buntes Huhn heisst. Der Interpretationen sind keine Grenzen gesetzt. Damit kann ich nichts anfangen. Ein Schachbrett weist ganz klar gerade Linien auf. Wenn sie nicht gerade wären, könnte man auf dem Feld nicht spielen und müsste gegen die Regeln verstossen, was gar nicht schachmässig ist.“

Fortsetzung

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