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Diese erweist sich indes als ein derart weites Feld, dass sich oft verirrt, wer auf dieses hinaus tritt. Der Geist entpuppt sich zuweilen als ein Gefühl. Man bezeichnet zwar gelegentlich diesen oder jenen als hellen Kopf und klar bei Verstand. Hinter aller Schlagfertigkeit und Klarsicht beweisender Antwort verbirgt sich jedoch gar zu oft ein Gefühl – „und Gefühle lassen sich nicht mit deinen Wissenschaften erklären. Du kannst mit deinen Mikroskopen tief in den Menschen hinein schauen, die Gefühle wirst du damit nicht ergründen.“

„Du bist wissenschaftsfeindlich. Der Wissenschaft muss man Zeit lassen. Sie ist kein Schach, das sich mit einer Uhr zeitlich eingrenzen lässt. Die Wissenschaft braucht Raum, wie klein die Dinge auch sind, die sie untersucht. Gedanken brauchen viel Raum, immensen Raum. Ob ein Menschenleben genügt, um diesen Raum zu füllen, das muss sich zeigen. Vorerst müssen noch die Kartoffeln gerüstet werden. Ich habe mir gedacht, wir könnten sie für einmal mit Honig bestreichen. Dazu passt Rollmops. Wie in vielen Dingen der Welt ist es auch mit der Küche so beschaffen, dass auf den ersten Eindruck hin etwas nicht zusammen passt. Und dann, wenn man das isst, merkt man, dass das, was man mit den Sinnen, vor allem mit dem Geruchssinn aufnimmt, ganz neue Horizonte öffnet. So arbeitet die Wissenschaft. Was sauer und süss auf den ersten Blick nicht zueinander will, offenbart sich beim zweiten Zubeissen als eine ganz eigene, wenn nicht sogar interessante und willkommene Verbindung, die in intensive Erlebnissen mündet. Dieses Neue muss sich der Wissenschafter ganz genau anschauen und gucken, ob er aus den entdeckten und somit neuen Erkenntnissen noch ungeahnte Möglichkeiten für Lösungen anliegender Probleme heraus destillieren kann.“

„Du könntest von dir ohne Problem in der ersten Person reden.“

„Die Wissenschaft ist nicht an eine Person gebunden.“

„Lass das mit der Wissenschaft sein. Sie ist derart anonym, dass sie für nichts mehr gerade stehen muss. Irgendjemand findet etwas, ein weiterer forscht und am Ende weiss niemand mehr, wofür er die Verantwortung trägt. Was ist das für eine Moral. Ich muss für jeden Zug, den ich ziehe, selber gerade stehen.“

„Huch, jetzt sind wir beim ganz grossen Thema, der Verantwortung. Die Verantwortung für das Nachtessen, wer trägt diese heute Abend?“

Kabar Extas und Wilhelm Schnepfensskorn teilten seit längerem die Wohnung. Jedem sein Zimmer, gemeinsam die Küche und die Stube.

Ein aus verschiedenen Funden zusammengestückeltes Inventar bildete die Basis der Inneneinrichtung. Sie wirkte zweckmässig ausgewählt und beschränkte sich auch darauf, diesem Bedürfnis vollumfänglich gerecht zu werden.

Keiner von beiden äusserte den Wunsch, Hand an die Innenausstattung zu legen, um die Bequemlichkeit zu verbessern und die vier Mauern wohnlicher zu gestalten. Sitzgelegenheiten bestanden, Tische als Ablageflächen gab es zu genüge. Vieles enthielt die Wohnung nicht, mehr wurde nicht begehrt. Stoff, worüber gesprochen wurde, gab anderes her. Nicht Mode noch Sport. Das Desinteresse für die beiden Themen einte die beiden Wohnungsbenützer. Diese Gleichgültigkeit belebte ihr Interesse für den ausgegrenzten Stoff nie oder vielmehr: Es lag im Interesse beider, nicht über Sport oder Mode zu reden.

Die Wohnung lag im Erdgeschoss. Weiter hinauf reichte der Wunsch nach materiellem Wohlstand nicht.

Fortsetzung

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