sch-ach-ka

ka zergliedern

Wenn sich so viel über Ordnung sagen lässt, wie viel kann erst über die Unordnung gesagt werden! Das muss ein ganz besonderes Tummelfeld für ein Reden ohne Ende sein, ein unendliches Reden, ein Paradies für eine Redeschlacht. Kein Vergleich zur Begrenztheit eines Schachbretts.

„Es ist gar nicht fair von dir, dass du immer wieder Hühnerknochen auf das Schachbrett legst!“

„Ah, was soll das schon. Ob ein Knochen mehr oder weniger auf dem Schachbrett, was macht das schon. Es veranschaulicht, was Ordnung ist aufs Beste.“

„Hühnerknochen gehören einfach nicht auf mein Schachbrett. Lass deine Knochen aus meinem Spiel.“

„Meine Knochen behalte ich für mich. Die hält das Fett zusammen. Lediglich die Knochen des Huhns verwende ich zweckentfremdet. Wenn ich sie dorthin lege, hat es den Vorteil, dass ich weiss, wo sie sind, falls ich sie einmal suchen muss. Du regst dich so auf, wenn ich mal Ordnung mache. Du fluchst und tust und gebärdest dich, als wolltest du mir das Essen verbieten. Wie das Reden lasse ich mir auch dieses nicht verbieten. Das ist unüberhörbar. An dieser Stelle werden die Knochen nie vergessen werden, sofern du sie dort liegen lässt.“ Wilhelm Schnepfensskorn wies auf das Schachbrett.

„Ich habe dir schon oft gesagt, du sollst nicht so viel essen. Sonst wirst du noch überdick. Heute Abend gibt es Gemüse und sonst nichts. Ganz sicher nicht so ein fettiges Poulet. Das macht dick.“

„Ich werde die Haut nicht essen. In der Haut steckt das Cholesterin. Das macht dick. Aber das Fleisch selber würde auch einem Schachasketen wie dir bekommen.“

„Kein Fleisch, heute koche ich.“

„Ich gehe auswärts essen.“

„Geh Pizza essen. Die wird dir das Pouletessen ersetzen.“

„Unterschätze nicht, was im Poulet steckt. Es hat noch nicht all seine Geheimnisse preis gegeben. Du wirst wohl wissen, dass das Huhn quasi die nächste Verwandte zum schrecklichen Tyrannosaurus Rex ist, der deine Schachfiguren auffressen will. Wir haben das unwahrscheinliche Glück, dass die Hühner die Grösse jener Biester nicht erreichen. Sonst Gnade uns Gott! Unseren Schädeln würde es nicht besser ergehen als deinen Schachfiguren, sobald du ein Huhn auf dein Brett lässt. Das ist so. Also pass auf, was du sagst, sonst reisst ein Huhn noch deinem Schachbrettkönig den Kopf ab. Und wenn du meine Pouletknochen beleidigst, indem du sagst, ich soll Pizza essen gehen, dann beleidigst du die ganze Urgeschichte.“

Augenscheinlich befanden sich Wilhelm Schnepfensskorn und Kabar Extas gerade beim Essen. Der eine schien sich mit leiblicher Nahrungsaufnahme zu beschäftigen, der andere sich geistig zu nähren. Oder vielmehr: Einer schob als Nahrung Schachfiguren, während der andere sich geistig ernährend ins Zeug redete. Sie stritten sich wieder einmal über Ordnung, Wissenschaft und Schach. Das Poulet sah trotz der Worte bereits sehr abgetragen aus.

„Man muss die Zusammenhänge kennen lernen. Sonst bleibt man dumm. Die Welt hat so viele Gedanken. Die haben nicht alle auf einem Schachbrett Platz. Du kannst alle Mathematik auf die vierundsechzig Felder anwenden. Gedanken gibt es noch viel mehr. Es sind so viele. Du kannst sie mit keiner Schachfigur aufwiegen, wie klug die auch ist. Für das Schachbrett ist es eine Ehre, dass es als Knochenunterlage dienen darf. Im Pouletknochen liegt verborgene Erkenntnis der Menschheit und das nicht nur, weil ich aus diesen Knochen eine ausgezeichnete Bouillon machen will. Man muss diese nur lang genug kochen. Das Kochen ist wie das Mikroskopieren. Je länger der Knochen behandelt wird, desto mehr gibt er von seinen geheimen Essenzen frei. Das ist das Geheimnis des Knochens und darum auch die Ehre für dein Brett! Verstehst du?“

Fortsetzung

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