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Der Unfall, um einen solchen musste es sich handeln, alles was Spur war, deutete darauf hin, hatte sich als ein weiteres Hindernis auf dem Lauf Kabar Extas zur Polizei aufgebaut. Der Bestellte nahm es als Zeichen auf, dass er sich nicht zu sputen brauchte. Wie der Verkehr an diesem Ort nahezu zum Stillstand gekommen war, entsprach es der Natürlichkeit des Lebens, dass Kabar Extas diesen Stillstand nicht in Aktivismus umsetzte. Alles hat seine Ordnung, und will diese erreicht werden, so schliessen sich dabei Gegensätze aus. Das Mass aller Ordnung ist das Lot.

Kabar Extas gab der Eile, die er bis anhin ohnehin nicht gehabt hatte, nach wie vor nicht jenes Gewicht, das ihr aufgrund des Aufgebots und seiner Bedeutung von Amtes wegen zugestanden hätte. Bisher hatte ihn dieses Aufgebot nicht sonderlich vorwärts getrieben, und, der Umstände auf dem Platz ansichtig, mass der Überlegende der Eile noch weniger Aufmerksamkeit bei. Welm mochte sein, wer er war! Der Weg hin zu ihm war eine andere Sache. Auf diesem Weg gab es viel zu sehen, und wer wusste: Die Beobachtungen konnten einen neuen Weg in die Zukunft bahnen. Ein guter Schachspieler fasst jede Spielmöglichkeit ins Auge und wägt sorgfältig ab. Handelt er voreilig, geht das Spiel verloren.

Alles, was Kabar Extas auf dem Gang zu Welm sah, stand irgendwie in Verbindung mit ihm, Kabar. Darum war es wichtig, dass er den Ereignissen auf dem Weg die nötige Aufmerksamkeit schenkte. Aus dem Detail ergab sich ein Element für den nächsten Entscheid. Darum war es gar nicht abwegig, dass Kabar Extas auf seinem Weg genau auf diesem Platz verweilte und dem Geschehen grösste Aufmerksamkeit beimass, sich darüber orientierte, was an dem Ort vorgefallen war. – Alles nur Täuschung! Kabar Extas wusste, dass er weiter musste. Er durfte doch nicht hier bleiben, wo doch an anderem Ort jemand auf ihn wartete. Das Polizeitaufgebot war lediglich der äussere Rahmen. Auf das Bild kam es an, und dieses zeigte Welm.

Kabar Extas konnte keinen Schleier über das Bild ziehen und dieses so zum Verschwinden bringen, um es nicht mehr sehen zu müssen. Das Bild blickte ihn auch durch den Schleier an, auch dann, wenn es dunkel war oder hell. Der Stau auf dem Platz war nur Täuschung, ein willkommener Vorwand, um nicht weitergehen zu müssen.

Die Täuschung löste sich langsam auf. Der Verkehr kam wieder ins Rollen. Es ging weiter.

Um Kabar Extas herum hatten sich die Reihen der Gaffenden gelichtet. Wenn Kabar Extas jetzt nicht weiter ging, dann hiess das, dass er sich näher stand als Welm, sich mit sich selber auseinandersetzte, statt sich wie im Schach dem Gegner zu stellen. Gegner? War Welm ein Gegner? In gewisser Hinsicht schon.

Schon allein deswegen, weil er Kabar Extas aus der Wohnung geholt hatte und somit Einfluss übte als unsichtbare Macht; und all das auf dem Hintergrund, dass der direkt Betroffene, jener, der aus seiner Wohnung hinaus gehen und dabei die Haustür fest verschliessen musste, nichts von dem wusste, was Welm auf den Posten gebracht hatte. Welm war insofern kein Gegner, als er sich, anscheinend in Schwierigkeit befindend, sich, so sah es aus, Kabar Extas besonnen hatte. Gegner oder Freund? Diese Frage konnte angesichts aller offenen weiteren Fragen auf diesem Platz nicht beantwortet werden, und auch nicht jene nach der Ursache für den Polizeianruf.

Die Polizei war soeben daran, den Laster, der das kaputte Auto geladen hatte, von seinen Standort aus in den Verkehr zu lotsen. Dieser kam dadurch wieder zum Erliegen. Behutsam bewegte sich das Gefährt auf die Fahrbahn hinaus, auf der Ladefläche jenes Mahnmal tragend, das die Autofahrer in sehr direkter Weise ansprach. Niemand drängte vor. Lastwagen und geschundenes Auto, das Autowrack, hatten absoluten Vortritt.

Der Verkehr rollte nun wieder an und floss mit werktäglicher Gemütlichkeit dahin mit Ausnahme der Stelle, wo noch einige Schaulustige bei den Abschrankungen, die nun weggeräumt wurden, verharrten. Kabar Extas erachtete den Moment für geeignet, um die Strasse zu überqueren und sich die Bescherung, oder vielmehr das, was von ihr übrig geblieben war, von nahem anzusehen.

Kabar Extas nutzte einen Moment, in dem die Fahrzeuge wieder einmal still standen, weil es bei der Kreuzung stopfte, um sich zwischen Kotflügeln und Fahrzeughecks hindurch auf die andere Seite hinüber zu schieben. Eine kleine Fläche vor der Wand war nach wie vor mit rudimentären Mitteln abgesperrt. Einige Personen von den Stadtbehörden standen herum. Scherben lagen am Boden und etwas Blech und Kunststoff. Kabar Extas besah sich die Dinger. Wie er sah, lagen sie in keiner bestimmten Ordnung zueinander auf dem Boden –mit der Ausnahme, dass die meisten liegen gebliebenen Teile des Autos in der Nähe oder direkt an der Mauer lagen, in welche das Gefährt gekracht war.

Kabar Extas bemerkte, dass sich auf dem Boden keine Markierungen befanden, mit welchen die behördliche Spurensicherung jeweils die Stellung von verletzten oder getöteten Personen festhält. Irgendetwas, das wir geronnenes Blut wirkte oder gar als Blutfleck zu erkennen war, machte er ebenfalls nicht aus. Hatte es Verletzte gegeben, so mussten sich diese im Wageninneren befunden haben und waren vorsichtig, ohne den Boden zu zeichnen, heraus genommen worden.

Die wachhabenden Polizisten übten sich in Langeweile. Die wenigen Zuschauer, die noch herum standen, taten es ihnen gleich. Aus irgendeinem Grund konnte das Gelände noch nicht frei gegeben werden. Vermutlich musste es erst von Scherben und Autoresten geräumt werden. Für die Erledigung dieser Arbeiten war vermutlich eine Equipe, die gut mit Besen und Schaufel umzugehen wusste, aufgeboten worden, war aber noch nicht zur Stelle, wie auch Kabar Extas nicht bei jener Stelle war, die ihn aufgeboten hatte.

Die Polizisten hatten den Verkehr geschleust und das Protokoll für die Versicherungen aufgenommen – falls für diesen Fall, dem Gerede nach ein Selbstunfall, überhaupt eine Versicherung zuständig war. Wenn keine Versicherung zuständig war, ging der Fall womöglich an ein Gericht.

Die Putzequipe ihrerseits sorgte nun auf ihre Weise dafür, dass in der Stadt Ordnung herrschte. Alles hatte seine Ordnung.

 Fortsetzung

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